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Algorithmuskulturen - Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
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3. #trendingistrending 77 Heutzutage nehmen solche Fragestellungen auch Algorithmen ins Visier; insbesondere jene Algorithmen die daran beteiligt sind, diejenigen kulturellen Werke zu selektieren und zu liefern, denen wir begegnen. Besonders Algorith- men, die in die Entwicklung von Kultur involviert sind, sind sowohl Mechanis- men der Verbreitung als auch der Bewertung. Sie sind Teil derjenigen Wissens- institutionen die Informationen in Umlauf bringen und bewerten. Sie sind also Teil der Industrie der Neuen Medien, die diese Kulturgüter bereitstellen und sortieren. Ganz besonders Aussagen über kulturelle Werte, die auf Prognosen, Rezepten und Messungen dessen beruhen, was etwas kulturell schätzenswert macht, beruhen auf algorithmischen Verfahren. Algorithmen sind also nicht unsichtbar. Während sie bezüglich ihrer Codes Blackboxes bleiben, sind sie gleichzeitig oft auch Gegenstand öffentlicher Überprüfungen und Debatten. Wir sollten insofern nicht allein danach fragen, was es für die moderne Kulturindustrie bedeutet, algorithmische Verfahren einzusetzen, um Kultur zu produzieren, zu organisieren, zu selektieren und Zielgruppen zu erken- nen, um sie verfolgen und einteilen zu können (Beer/Burrows 2013). Das sind zweifelsohne sehr virulente Fragen. Wir sollten dabei allerdings nicht verges- sen zu untersuchen, wie algorithmische Verfahren selbst zu kulturellen Ob- jekten werden, wie sie in unser Denken über Kultur eingehen und von der Öffentlichkeit, auf die sie gerichtet sind, aufgenommen werden. Und wie sie für das, was sie tun und enthüllen, angefochten werden (Striphas 2015). Wir sollten nicht nur danach fragen, wie Algorithmen die Kultur prägen, sondern auch danach, wie sie selbst zu Kultur werden. trending-algorithmen und Wie sie funKtionieren Aufgrund ihrer Größe müssen alle Social-Media-Plattformen Mechanismen herausbilden, um neue und relevante Inhalte anzubieten. Dies eröffnet den Nutzerinnen einerseits Zugang ins und mögliche Wege durchs Archiv; es hält sie andererseits länger auf der Webseite, um sie mit mehr Werbeanzeigen kon- frontieren und gleichzeitig wertvolle Daten über sie sammeln zu können. Die meisten Navigationsmechanismen bestehen entweder aus Such- oder Empfeh- lungsfunktionen: Suchfunktionen dann, wenn die Anfragen der Nutzer mit verfügbaren Inhalten abgeglichen werden; mit der Empfehlungsfunktion wird der Nutzer mit anderen Nutzern abgeglichen und ihm wird Inhalt offeriert, den diese bevorzugten (viele Navigationsmechanismen kombinieren gegen- wärtig diese beiden Funktionen, ich gliedere sie hier nur für analytische Zwe- cke). Wenn auch nicht ganz so allgegenwärtig und strukturell zentral wie Such- und Empfehlungsalgorithmen, ist Trending zunehmend zum verbreiteten Merkmal solcher Interfaces geworden und scheint eine wachsende kulturelle
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Algorithmuskulturen Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Title
Algorithmuskulturen
Subtitle
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Author
Robert Seyfert
Editor
Jonathan Roberge
Publisher
transcript Verlag
Date
2017
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-3800-8
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
242
Keywords
Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
Category
Technik
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