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Algorithmuskulturen - Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
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5. Den Algorithmus dekonstruieren 135 der am häufigsten besuchten Webseiten klassifizieren zu können. Es gibt ein monatliches Popularitäts-Ranking dieser Seiten, das wiederum Einfluss auf die Werbegebühren hat (Ouakrat u.a. 2010). Diese Methode misst schon das Fernsehpublikum ziemlich schlecht, bei der Anwendung auf das Web führt sie sogar noch weiter in die Irre (Jouët, 2004). Die andere gängige (und oft mit der ersten Methode kombinierte) Technik zur Messung des webbasierten Publikums ist eher seitenzentriert. Webseitenbesitzer bekommen Aufschlüsse über den Traffic (Datenverkehr) ihrer Seite (z.B. durch Google Analytics) und können diese Informationen mit Daten von auf Internet-Marktforschung spe- zialisierten Agenturen (z.B. Médiamétrie, Xitu oder Weborama in Frankreich) kombinieren. Aber Besuchermessungen geben weder Aufschluss darüber, wer vor dem Bildschirm sitzt, also über die soziodemographischen Charakteristika der Besucher, noch darüber, ob die geöffnete Seite auch gelesen wurde. So ent- stand zwischen nutzerzentrierten und seitenzentrierten Methoden eine ausge- prägte Polarität, was die Transformation digitaler Berechnungen betrifft. Auf der einen Seite sind traditionelle Marktforscher daran interessiert, ihre Ziel- gruppen zu klassifizieren, und benutzen die Variablen, die sowohl vom Mar- keting als auch von der Soziologie bereitgestellt werden: Beruf, Einkommen, Alter, Lebensstil und Ort. Sie wissen viel über Individuen, aber wenig über ihr Verhalten. Auf der anderen Seite ist das Wissen über das Verhalten von Inter- netnutzern anhand von Profilen gut dokumentiert, aber über die Individuen selbst ist wenig bekannt (Turow 2011). In Reaktion auf diese Dichotomie erfanden Internetpioniere andere Mittel der Informationsmessung und -verbreitung. In der Tat ist Popularität – auf Erkenntnis angewandt – kein Garant für Qualität, sondern bestärkt vor allem Konformismus und Mainstream. Sie misst im Wesentlichen die Verbreitung von Produkten einer kleinen Zahl von kulturellen Produzenten an ein großes und passives Publikum. Aber in dem Maße, in dem die Öffentlichkeit zuse- hends ›aktiver‹ wird, wächst auch die Nachfrage und der Wunsch nach hö- herwertiger Information. Nachdem das Web die traditionelle Asymmetrie zwi- schen einem (kleinen) Informationsangebot mit relativ wenig Variation und einer (großen) Nachfrage, die ohne echte Auswahl gestillt wird, massiv durch- einander gebracht hat, haben Web-Innovatoren ein anderes Klassifikationssys- tem entwickelt, das nicht auf Popularität beruht, sondern auf Autorität. die autorität der linKs Als Google 1998 an den Start ging, stellte es eine neue statistische Methode zu Evaluation der Qualität von Information vor – im großen Stil. Seine Be- rechnungen sind oberhalb des Webs angesiedelt, um den Austausch von Sig- nalen der ›Anerkennung‹ unter Internetnutzern aufzuzeichnen. Diese Lösung
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Algorithmuskulturen Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Title
Algorithmuskulturen
Subtitle
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Author
Robert Seyfert
Editor
Jonathan Roberge
Publisher
transcript Verlag
Date
2017
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-3800-8
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
242
Keywords
Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
Category
Technik
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