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Algorithmuskulturen - Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
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6. ›Ver-rückt‹ durch einen Algorithmus 163 tierung und bezieht sich so auf die Wiedergabe eines Klangraums in all seinen akustischen Charakteristika. Sound ist in erster Linie eine Sache von Zeit und Raum und hat keinen einzelnen Ausgangspunkt. Nun fragen nicht mehr nur Kognitionswissenschaftler, sondern auch Computer-Programmierer: »Kann man die Gestalt eines Raums hören?« (Dokmaniƈ u.a. 2011) Stefan verbringt mehrere Achtstundentage mit der Ausrichtung und Kalibrierung der AURA-Lautsprecher. Weil er noch keine Daten sammelt und es ein mühseliger Prozess ist, kommt eine Kopf- und Oberkörper-Attrappe aus Gummi zum Einsatz, der man Mikro- phone ins Ohr gesetzt hat. Dies erlaubt ihm sorgfältigere und präzisere Messungen (weil Attrappen nicht viel herumhampeln). Stefan nimmt einen kontrollierten Test-Ton auf – ein schrilles »Biiiiiiiijuuuuu!« – und spielt ihn durch die auf die Attrappe gerichteten Lautsprecher ab. Diese Aufnahmen wiederholt er den ganzen Tag hindurch, auch zu Zeiten, wenn im Labor weniger los ist und die Geräuschkulisse dadurch gleichförmiger. Diese sich ständig wiederholenden Klänge – von den Ingenieuren ›gutes Rauschen‹ genannt – zeichnen sich in den Daten leichter ab und helfen dadurch, das akustische Territorium zu markieren. Da man inzwischen Zugang zu billigeren und schnelleren Mikroprozessoren für DSP, zu Gyroskopen und zu Globalen Positionsbestimmungssystemen (GPS) hat, beginnen Toningenieure, die nicht aus der Stereo-Tradition kom- men, damit, mithilfe von Algorithmen die Grenzen nicht beim Lautsprecher anzusetzen, sondern beim Zuhörer direkt außerhalb des Lautsprechers. Wenn man die Beziehung zwischen den aufgenommenen Tönen und dem Zuhörer kontinuierlich und in Echtzeit kalibrieren könnte, würde das System eine ›un- abhängige Verbindung‹ zwischen den Tönen und den Quellen (d.h. den Laut- sprechern), aus denen sie vibrieren, herstellen. In diesem Bezugsfeld könnte sich ein Subjekt frei in einer 360-Grad-Ausrichtung auf den Klang in der Ho- rizontalen bewegen. So wie die Einbeziehung des Hörerkörpers den Eindruck, in die eigene Klangwelt eingetaucht zu sein, steigert, bedeutet die mediatisier- te Emanzipation des Hörers von den statischen Bedingungen einer lokalen Si- tuation, dass das Ohr sich nicht mehr an einer verdinglichten Klangquelle im Lautsprecher orientieren muss. Unter solchen Bedingungen der Möglichkeit täuscht ein Algorithmus vielleicht sogar das Gefühl vor, in einer ganz anderen Klangumgebung zu sein – ein Ideal von Virtualität, das sich bisher der Audio- technik entzogen hatte. Verlagerung (Translozierung) Unter dem Einfluss von Psycholinguistik und dem Niedergang der Moderne als Design-Ideologie erforschen Tontechniker jetzt einen Modus der Klang- reproduktion, der grundlegend nutzerzentriert ist. Die Art und Weise, wie
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Algorithmuskulturen Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Title
Algorithmuskulturen
Subtitle
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Author
Robert Seyfert
Editor
Jonathan Roberge
Publisher
transcript Verlag
Date
2017
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-3800-8
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
242
Keywords
Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
Category
Technik
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