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Algorithmuskulturen - Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
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Joseph Klett164 Ohren hören, ist dreidimensional, sehr ähnlich dem, wie Augen sehen: Wir nehmen Klänge von rechts und links kommend wahr, von oben und unten, von fern und von nah. Zu diesem Zweck nähern sich Algorithmen diesen Dimen- sionen an, um ein Gefühl von Hall ›innerhalb‹ der Räume, in denen Klang- energie tatsächlich vom Ohr wahrgenommen wird, zu erzeugen. Bei Mantle R&D stellt man sich dieses Verpflanzen von akustischen Charakteristika von einem Raum auf einen anderen so vor, dass die Nutzer von Immersive Audio tatsächlich so hören können, als befänden sie sich in einer komplett anderen Hörumgebung. Darum geht es beim Prozess der Verlagerung (Translozierung). Um diese Empfindung des Hörens in einer anderen physischen Umge- bung zu bewerkstelligen, müsste der Algorithmus ein Signal anhand eines Modells akustischer Resonanzen auf einen tatsächlichen Raum – von Inge- nieuren auch ›der Raum‹ genannt, selbst wenn er nicht umschlossen ist – ar- rangieren, gebildet aus Referenzaufnahmen eines kontrollierten Tons in einer bestimmten Umgebung. Sterne erklärt dies so: »Wir können uns Klangwellen so vorstellen, als schwärmten sie aus und erforschten den Raum, bis sie die Außenwände erreichen und dann zum Mittelpunkt des Raumes zurück- kehren. Dabei zeichnen sie das Territorium sozusagen nach. Diese Resonanzen werden dann auf das trockene Signal aufgepfropft, so als befände sich dieses Signal in diesem Raum.« (Sterne 2015: 125) Im Reich der Tontechnik erfolgt dieses »Nachzeichnen des Territoriums« an- hand verräterischer Klang-Reflexionen. Reflexionen, zurückgeworfene Wellen, fangen die komplexen Beziehungen zwischen Klängen, Umgebungen und Nutzer ein. Theoretisch sind Reflexionen Nebenprodukte von Signalen. Aber Ingenieure wissen, dass beim Hören von Signalen – ganz gleich ob live oder technisch vermittelt – Reflexionen höchstwahrscheinlich gar nicht zu vermei- den sind und auch nicht vermieden werden müssen. Ingenieure, die von sich behaupten, dass sie sich in Akustik auskennen, sagen, die Physik der Reflexion sei zwar reichlich mysteriös, aber nicht prinzipiell unbegreiflich. Innerhalb von AURA ergießt sich das kontrollierte Signal um den Körper in der Mitte der Versuchsanordnung herum. Aber Klang bewegt sich schnell fort. Wie die Energie auf den Körper im Inneren auftrifft, prallt sie auch jenseits der offenen Lautsprecheraufhän- gung auf die harten Oberflächen des Raumes. Dieser Klang kehrt in den Experimental- raum zurück und wird als Reflexion des Original-Signals mit aufgenommen. Visuelle Repräsentationen des innerhalb von AURA aufgenommenen Klangs können so auseinandergezogen werden, dass man den Punkt erkennen kann, an dem das Signal ankommt, noch bevor irgendwelche Reflexionen ankommen. Aber wenn Stefan seine Messungen vornimmt, zeigen die Bilder, die er zurate zieht, dass die Daten gespickt mit Anomalien sind. Er bittet Dave um Hilfe, der mit Tontechnik mehr Erfahrung hat.
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Algorithmuskulturen Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Title
Algorithmuskulturen
Subtitle
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Author
Robert Seyfert
Editor
Jonathan Roberge
Publisher
transcript Verlag
Date
2017
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-3800-8
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
242
Keywords
Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
Category
Technik
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