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Algorithmuskulturen - Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
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Valentin Rauer 202 bil geworden und aus der räumlichen Unmittelbarkeit der Interaktanten ›ent- bunden‹. Damit trennt sich Gewissheit von der menschlichen Deixis ab. Die situativen Katalysatoren, also die situativen ›Trenner‹ sind die Algorithmen. Sie ersetzen die Deixis entweder durch sprachliche Konventionen wie im ana- logen Seefunk oder durch sensorborbasierte Interaktionssoftware wie im un- bemannten Luftverkehr. Katalytische Situationen sind also in gewisser Weise das Gegenstück von synthetischen Situationen. Indexikalität und menschliche Akteure können räumlich getrennt voneinander operieren. Nicht Menschen kommunizieren mit Menschen räumlich getrennt, wie in der synthetischen Si- tuation, sondern menschliche Gewissheitstechnologien mit anderen mensch- lichen Gewissheitstechnologien. Teile der Situation haben sich herausgelöst und werden an einem anderen räumlichen Ort vollzogen, ohne dass dort ande- re Menschen anwesend sein müssen. Um es zu wiederholen: Diese Autonomie nicht-menschlicher Interaktion ist keine Autonomie im Sinne des freien Wil- lens und der Intentionalität. Es ist eine räumliche entbundene Entscheidungs- kompetenz. Gleichwohl irritiert diese interobjektive Autonomie, weil sie die Vorstellung von den Grenzen menschlicher Interaktionsfähigkeit verschiebt. Über die daraus resultierenden Folgen handelt der nächste Abschnitt zum Fall ›Ramstein‹. der fall ramstein In Folge der Terroranschläge vom 11. September 2001 entwickelte die USA eine Strategie von Gegenmaßnahmen, dem so genannten ›War an Terror‹, bei der u.a. tödliche Drohnenangriffe gegen führende Terroristen eingesetzt wurden (Schörnig 2010; Williams 2013; Krassmann 2014; Strawser 2013; Chamayou 2015). Die USA hatte eine zweifache Strategie entwickelt, bei der Drohnen so- wohl innerhalb als auch außerhalb von Kriegsgebieten zum Einsatz kamen. Für die Einsätze jenseits der Kriegsgebiete war vor allem die ›Central Intel- ligence Agency‹ (CIA) zuständig (Sterio 2012). Aus der Perspektive des inter- nationalen Völkerrechts sind die Einsätze außerhalb von Kriegszonen proble- matisch, weil es unklar ist, ob die Einsätze im Rahmen eines Krieges oder der Kriminalitätsbekämpfung erfolgen. Die auch ›targeted killing‹ genannten Ein- sätze verwischen die Grenze zwischen »Krieg und Kriminalitätsbekämpfung wie keine andere Taktik zuvor« (Blum/Heymann 2010: 150, Übersetzung V.R.). Wenn Geheimdienste Krieg führen, ist eine öffentliche zivilgesellschaftliche Auseinandersetzung über die Kriegsziele und friedenspolitischen Alternati- ven erheblich erschwert (Daase 2010). Fragen der politischen und moralischen Verantwortlichkeit sind kaum noch an konkrete Akteure adressierbar. Auf dieses Dilemma haben Nicht-Regierungsorganisationen (NGO’s) reagiert und versucht, mit einer so genannten ›strategic litigation‹, d.h. einer strategischen
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Algorithmuskulturen Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Title
Algorithmuskulturen
Subtitle
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Author
Robert Seyfert
Editor
Jonathan Roberge
Publisher
transcript Verlag
Date
2017
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-3800-8
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
242
Keywords
Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
Category
Technik
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