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Algorithmuskulturen - Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
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Oliver Leistert224 Bots stellen eine attraktive Alternative zur Zensur dar, da sie viel Lärm in die Kommunikation induzieren, und somit z.B. politische Diskussionen unmög- lich machen, aber die Kanäle als solche nicht in ihrer (technischen) Funktio- nalität beeinträchtigen oder ausschalten. Regierungsabteilungen, religiöse Ge- meinschaften und Konzerne, sie alle benutzen diese Art von Bots – und nicht nur in Krisenzeiten. Zusammengefasst induzieren Sockenpuppen-Bots zerstö- rende Vektoren in die algorithmisch produzierten Öffentlichkeiten, was sie mit der psychologischen Kriegsführung (PsyOps) verwandt macht (Paganini 2013). Weit bekannt und am häufigsten auf Twitter anzutreffen sind Bots, die Benutzern folgen (›followen‹), um deren Bekanntheit und Ruhm zu steigern. Auch wenn dies eine riskante Strategie ist, da Beobachter den plötzlichen Anstieg an Followern oft bemerken, wird sie breit in diversen Feldern ange- wandt. Politiker und Popstars sind noch die gewöhnlichsten Kunden dieser fame enhancing bots. Jedoch sind diese Bots auch zum Standardrepertoire von Marketing und Public Relations geworden, um die Popularität und Bekannt- heit von Marken und Produkten zu steigern. Dabei nutzt diese Sorte Bots die Soziallogik aus, die die Plattformen selbst propagieren, nämlich der soziale Imperativ, dass jede Meinung und jedes Gefühl wichtig ist und algorithmisch verarbeitet gehört, was zur Verinnerlichung von einer Überbietungslogik bei den Benutzern führt: zu sein, heißt vor allem sichtbar zu sein (Milan 2015), was aber bedeutet: wer sein will, muss sichtbarer sein als die anderen. Und um genau dieses ›sichtbarer‹ kümmern sich diese Bots, die sich selbst sehr schnell replizieren können, um dieser Logik umso besser folgen zu können. Harvesters schließlich gehören der Sorte Bots an, die als algorithmische Pi- raten im vollen Sinne bezeichnet werden können. Sie infiltrieren soziale Netz- werke und versuchen möglichst viele Benutzer auf Facebook zu ›frienden‹. Dabei ernten sie permanent Daten von und über die Nutzer und versuchen gleichzeitig, ihre wahre Natur zu verschleiern und unerkannt zu bleiben. Ihre Profile sind komplex und wirken ›echt‹, bis hin zu simulierten Aktivitätspha- sen, die Rhythmen wie Tag und Nacht oder Werktagen und Wochenenden an- gepasst sind. Im Kern attackieren sie die ökonomische Logik der Plattformen selbst, da sie die Daten, die sie ernten, an ihre Betreiber (genannt ›herder‹) ausleiten, und damit jene Daten, die die Plattformen selbst an Dritte verkaufen, abgreifen: Daten von und über die Benutzer der Plattformen. Diese Sorte Bots ist getarnt und ihre Existenz hängt an der Effektivität ihrer Tarnung, da sie mit Menschen als Menschen interagieren, im Unterschied zu fame enhancing bots, die sich nur zu einer Liste von Followern addieren. Ganz eindeutig mit bösen Absichten von ihren Betreibern programmiert sind Bots, die es darauf abgesehen haben, Schadcode in Applikationen einzu- schleusen, z.B. indem sie Benutzer auf Phishing-Websites leiten. Das Milieu dieser Bots ist sehr flexibel. Diese bösartigen Bots können auf Dating-Plattfor- men bis hin zu Twitter auf Beute lauern. Ihre Aktivität ist zielgerichtet kurz:
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Algorithmuskulturen Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Title
Algorithmuskulturen
Subtitle
Über die rechnerische Konstruktion der Wirklichkeit
Author
Robert Seyfert
Editor
Jonathan Roberge
Publisher
transcript Verlag
Date
2017
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-3800-8
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
242
Keywords
Digitale Kulturen, Medienwissenschaft Kultur, Media studies, Technik, Techniksoziologie, Kultursoziologie, Neue technologien, sociology of technology, new technologies, Algorithmus
Category
Technik
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