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ALJ 1/2015 20 Jahre Ăsterreich in der Europäischen Union 170
turgemäà mit jenen MaĂnahmen auseinander, die nicht seiner Kontrolle und Mitbestimmung
unterlagen. Das Europäische Parlament hat auch interne Veränderungen vorgenommen und
insbesondere eine Direktion fßr Folgenabschätzung und europäischen Mehrwert eingerichtet.
Auf Initiative des seinerzeitigen deutschen AuĂenministers Guido Westerwelle traf sich im Jahr
2012 insgesamt fĂźnfmal die sogenannten Zukunftsgruppe, an der insgesamt elf AuĂenminister
von EU-Mitgliedstaaten teilnahmen, um die Ăberwindung der Staatsschuldenkrise und langfristige
Vorschläge fĂźr die Zukunft Europas zu diskutieren. Der âAbschlussbericht der Gruppe zur Zukunft
Europasâ wurde im September 2012 den europäischen Institutionen sowie den Parlamenten und
Regierungen der Mitgliedstaaten zugeleitet und enthielt sowohl Vorschläge, die ohne Vertrags-
änderung umsetzbar sind, als auch Vorschläge zur Ănderung der Verträge.
III. Aktuelle Initiativen zur Verbesserung der Funktionsweise der EU
Schon vor der Wahl zum Europäischen Parlament 2014 wurde ein Vorschlag umgesetzt, der be-
reits von der oben erwähnten Zukunftsgruppe von elf AuĂenministern von EU-Mitgliedstaaten
präsentiert und vom Europäischen Parlament sowie der Europäischen Kommission unterstßtzt
worden war. Die bedeutendsten europäischen politischen Parteien bestimmten vor der Wahl
jeweils Spitzenkandidaten fßr das Amt des Kommissionspräsidenten und gaben damit erstmals
ein deutliches, auch in der breiten Ăffentlichkeit EU-weit wahrnehmbares Lebenszeichen von
sich. Der Spitzenkandidat jener europäischen politischen Partei, die bei der Wahl in allen EU-
Mitgliedstaaten die meisten Mandate im Europäischen Parlament erringen kann, sollte dann
Präsident der Europäischen Kommission werden. Die Spitzenkandidaten sollten den Wahlkampf
europäisieren und es wurde auch eine stärkere Wahlbeteiligung durch den Wahlkampf der Spit-
zenkandidaten erwartet. Die Wahlbeteiligung ist letztlich gegenĂźber der EP-Wahl 2009 wieder
leicht gesunken, ein Trend, der angesichts laufender institutioneller Stärkung des Europäischen
Parlaments im Zuge der Vertragsänderungen seit Maastricht erstaunt. Wie bekannt, wurde mit
Jean-Claude Juncker dann tatsächlich der Spitzenkandidat der mandatsstärksten europäischen
politischen Partei fßr das Amt des Kommissionspräsidenten nominiert, wenn es auch im Vorfeld
der Nominierung durch den Europäischen Rat Unstimmigkeiten gab und die Nominierung erst-
mals per Abstimmung anstelle durch Konsens erfolgte.
Etwa einen Monat nach der EP-Wahl einigte sich der Europäische Rat am 26./27. Juni 2014 auf
eine âStrategische Agenda fĂźr die Union in Zeiten des Wandelsâ (EUCO 79/14, Anhang I) mit fĂźnf
strategischen Prioritäten fßr die nächsten fßnf Jahre auf EU-Ebene. Diese fokussieren erwar-
tungsgemäà auf folgende Bereiche: Beschäftigung, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit; faire
Lebenschancen und Schutz vor Armut fĂźr BĂźrgerInnen; Energiesicherheit und verantwortungs-
volle Klimapolitik; Verbesserungen in Migrationspolitik, Kriminalitäts- und Terrorbekämpfung
sowie justizieller Zusammenarbeit; Positionierung der Union als starker globaler Akteur.
Diese vom Europäischen Rat festgelegten Prioritäten wurden von Jean-Claude Juncker in dessen
politischen Leitlinien fßr die Arbeit der Europäischen Kommission bis 2019 unter dem program-
matischen Motto âNeustart fĂźr Europaâ am 15. Juli 2014 aufgegriffen und auf insgesamt zehn
Prioritäten erweitert.
Nicht weniger bedeutend als die Festlegung der Prioritäten fßr die nächsten fßnf Jahre sind die
strukturellen Neuerungen in der Kommission zu werten, die Präsident Juncker initiiert hat. Er hat
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Austrian Law Journal
Volume 1/2015
- Title
- Austrian Law Journal
- Volume
- 1/2015
- Author
- Karl-Franzens-Universität Graz
- Editor
- Brigitta Lurger
- Elisabeth Staudegger
- Stefan Storr
- Location
- Graz
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 19.1 x 27.5 cm
- Pages
- 188
- Keywords
- Recht, Gesetz, Rechtswissenschaft, Jurisprudenz
- Categories
- Zeitschriften Austrian Law Journal