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ALJ 1/2015 20 Jahre Österreich in der Europäischen Union 172
zur Verbesserung der Funktionsweise der Union auf der Grundlage der bestehenden Verträge
vor – die Mitgliedstaaten schlossen damit Diskussionen über Vertragsänderungen aus. Die Grup-
pe sollte sich laut Mandat auf die folgenden vier Themenbereiche konzentrieren: horizontale
Fragen wie Subsidiarität und Verhältnismäßigkeit und die Rolle nationaler Parlamente; der Rat
der EU im Rahmen interinstitutioneller Beziehungen; Funktionsweise des Rates der EU; unausge-
schöpftes Potenzial des Vertrags von Lissabon. Für die Gruppe bezog sich die Verbesserung der
Funktionsweise der EU zudem ganz klar auf die vom Europäischen Rat Ende Juni 2014 festgelegte
„Strategische Agenda für die Union in Zeiten des Wandels“.
Der italienische Ratsvorsitz fasste nach der vierten Sitzung die Ergebnisse in einem relativ knap-
pen ratsinternen Vorsitzdokument zusammen. Offen blieb zu Ende des italienischen Ratsvorsit-
zes, ob diese breit unterstĂĽtzte Initiative nachhaltige Wirkung durch effiziente Umsetzung zumin-
dest einiger der konkreten Vorschläge entfalten kann oder das Schicksal früherer punktueller
Versuche vorangehender Ratsvorsitze teilen wird.
Einer der Vorschläge der Gruppe konnte allerdings noch unter italienischem Ratsvorsitz zumin-
dest teilweise realisiert werden: die Einbindung des Rates bei der Vorbereitung des Jahresar-
beitsprogramms der Kommission fĂĽr das kommende Jahr. Der Rat war in die Vorbereitung des
Jahresarbeitsprogramms der Kommission bis 2009 regelmäßig eingebunden gewesen, in der
Funktionsperiode der Kommission Barroso II wurde jedoch nur mehr das Europäische Parlament
eingebunden, auf der Basis des bilateralen Rahmenabkommens der Kommission mit dem Par-
lament aus 2010. Sogar das Europäische Parlament hatte in einer seiner in Abschnitt II erwähn-
ten Reformresolutionen eine Einbindung des Rates gefordert. Die Kommission reagierte rasch
und ĂĽbermittelte dem Rat ebenfalls die VorĂĽberlegungen fĂĽr das Jahresarbeitsprogramm 2015.
Aufgrund des Amtsantritts der neuen Kommission per 1. November 2014 war die Zeit fĂĽr Ausar-
beitung und Verabschiedung des Jahresarbeitsprogramms fĂĽr das kommende Jahr aber nur sehr
kurz und daher blieb auch nicht viel Zeit fĂĽr eine echte Abstimmung. Ein Anfang ist jedoch ge-
macht und es steht zu hoffen, dass heuer mehr Zeit fĂĽr die Abstimmung zum Jahresarbeitspro-
gramm 2016 bleiben wird. Wesentlich fĂĽr viele Mitgliedstaaten ist dabei die Gleichbehandlung
von Europäischem Parlament und Rat bei dieser Abstimmung.
Abgesehen von der Abstimmung des Jahresarbeitsprogramms der Kommission mit Europäi-
schem Parlament und Rat soll es heuer aber auch Gespräche über eine zwischen Kommission,
Europäischem Parlament und Rat abgestimmte mittelfristige legislative Programmierung geben.
Hier stehen die Arbeiten aber noch am Anfang und es ist noch nicht klar, welche Folgen eine
abgestimmte mittelfristige legislative Programmierung auf das Präsidentschaftsprogramm der
Triopräsidentschaft im Rat haben könnte.
Angeregt wurde insbesondere eine Novellierung der 2003 abgeschlossenen Interinstitutionellen
Vereinbarung (IIV) über Bessere Rechtsetzung (2003/C 321/01). In diesem Rahmen könnte eine
verbesserte durchgehende Subsidiaritäts- und Verhältnismäßigkeitsprüfung im Rahmen des
Gesetzgebungsverfahrens ebenso verankert werden wie eine verstärkte laufende Folgenabschät-
zung vor Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens und auch ex-post.
Eine solche Novellierung wäre auch eine gute Gelegenheit, eine Reihe weiterer Fragen aufzugrei-
fen. Die Mitgliedstaaten haben die Kommission seit Längerem um systematische Einbindung
nationaler Experten bei der Vorbereitung delegierter Rechtsakte, um mehr Transparenz durch
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Austrian Law Journal
Volume 1/2015
- Title
- Austrian Law Journal
- Volume
- 1/2015
- Author
- Karl-Franzens-Universität Graz
- Editor
- Brigitta Lurger
- Elisabeth Staudegger
- Stefan Storr
- Location
- Graz
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 19.1 x 27.5 cm
- Pages
- 188
- Keywords
- Recht, Gesetz, Rechtswissenschaft, Jurisprudenz
- Categories
- Zeitschriften Austrian Law Journal