Page - 102 - in Austrian Law Journal, Volume 1/2016
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ISSN: 2409-6911
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Fundstelle: Aschauer, Die Besetzung von Schiedsgerichten zwischen Parteiautonomie und Rechtsstaat-
lichkeit, ALJ 1/2016, 102–108 (http://alj.uni-graz.at/index.php/alj/article/view/53).
Die Besetzung von Schiedsgerichten zwischen
Parteiautonomie und Rechtsstaatlichkeit
Christian Aschauer*, Universität Graz
Kurztext: Der vorliegende Beitrag befasst sich mit der Kritik, die am aktuellen System der
Schiedsrichterbestellung durch die Streitparteien geübt wird. Erörtert wird in diesem Zusam-
menhang, welche legitime Aufgabe die parteiernannten Schiedsrichter neben dem Vorsitzenden
des Schiedsgerichts haben. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Mitwirkung der parteier-
nannten Schiedsrichter, vor allem bei der Beratung des Schiedsspruchs, zu einer umfassenderen
Diskussion der Sach- und Rechtsfragen führt und macht verschiedene Verbesserungsvorschläge
zur Garantie der schiedsrichterlichen Unabhängigkeit und Unparteilichkeit.
Schlagworte: Schiedsgerichte; Unabhängigkeit und Unparteilichkeit; parteiernannte Schiedsrich-
ter; Schiedsrichter-Ablehnung; Schiedsrichterberatungen.
I. Einleitung
Univ.-Prof. Dr. Thomas MĂĽhlbacher und ich haben uns fĂĽr unsere gemeinsamen Antrittsvorle-
sungen vorgenommen, Grundfragen unserer jeweiligen Fachbereiche zu erörtern. Dabei sind wir
schnell auf zwei parallele Themen von zentraler Bedeutung aufmerksam geworden, nämlich das
der Geschworenengerichtsbarkeit im Bereich des Strafverfahrensrechts und der Besetzung von
Schiedsgerichten im Bereich des Schiedsverfahrensrechts. Diese Themen stellen sich bei jedem
einzelnen Verfahren von neuem, nämlich wenn Behörden oder Parteien das Verfahren in Gang
setzen mĂĽssen; diese Themen stellen sich aber auch fĂĽr jede Juristengeneration aufs Neue, weil
wir die Vor- und Nachteile unserer Systeme im Licht der gesellschaftlichen Entwicklungen immer
neu ĂĽberdenken mĂĽssen.
Im Schiedsverfahrensrecht wird es traditionell als ein Grundrecht angesehen, dass die Parteien
die Zusammensetzung des Schiedsgerichts oder die Vorgangsweise bei der Zusammensetzung
des Schiedsgerichts frei bestimmen können. Dies gilt als wesentlicher Bestandteil der Privatauto-
nomie und ist nur dahingehend eingeschränkt, dass die gewählten Schiedsrichter unabhängig
und unparteilich sein mĂĽssen und dass beide Parteien bei der Konstituierung des Schiedsgerichts
gleich und fair behandelt werden mĂĽssen.1 Viele sehen den wesentlichen Vorteil der Schiedsge-
* Univ.-Prof. Dr. Christian Aschauer ist Professor am Institut fĂĽr Zivilverfahrensrecht und Insolvenzrecht der Univer-
sität Graz. Der vorliegende Beitrag ist das Manuskript der Antrittsvorlesung des Autors an der Universität Graz
am 25. 6. 2015; der Vortragsstil wurde beibehalten.
1 Born, International Commercial Arbitration² (2014) 1810; Greenberg/Osswald, The Arbitrator Selection Process in
International Commercial Arbitration, in Huerta-Goldman/Antoine Romanetti (Hrsg), WTO Litigation, Investment
Arbitration and Commercial Arbitration, Global Trade Law Series – Volume 43, 115.
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Austrian Law Journal
Volume 1/2016
- Title
- Austrian Law Journal
- Volume
- 1/2016
- Author
- Karl-Franzens-Universität Graz
- Editor
- Brigitta Lurger
- Elisabeth Staudegger
- Stefan Storr
- Location
- Graz
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 19.1 x 27.5 cm
- Pages
- 110
- Keywords
- Recht, Gesetz, Rechtswissenschaft, Jurisprudenz
- Categories
- Zeitschriften Austrian Law Journal