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5 »IslamgleichProblem« 175
5.2.2 »MitdiesenÄngstenhatdieFPÖKlaviergespielt«:
derToposParteipolitische Instrumentalisierung
In derwissenschaftlichen Literatur zu Islamophobie inÖsterreichwird der
ZusammenhangmitderFreiheitlichenParteiÖsterreichs(FPÖ)häufigbeson-
dershervorgehoben (Baghajati 2010;Dolezal etal.2010;Hafez2009b,2010a,
2010b, 2012;Klammer 2013; Liebhart 2015).KlausHödl behauptet gar, »Isla-
mophobia« sei inÖsterreich »hardlynoticeablebefore late 2005«undmacht
denUmschwung anPlakatkampagnender FPÖ fest (Hödl 2010: 443).Hödls
Belege für die Nichtexistenz von antimuslimischemRassismus vor diesem
Zeitpunkt sind zwar dünn undwenig überzeugend, tatsächlichmarkierten
dieWahlkämpfe zumGemeinderat inWien 2005 und in Graz 2008 sowie
der Nationalratswahlkampf 2006 aber einen ersten Höhepunkt antimusli-
mischer Propaganda der FPÖ. Bei derWienerWahl ließ der neu gewählte
FPÖ-ParteiobmannHeinz-Christian Strache seinKonterfei neben demSlo-
gan»Wiendarfnicht Istanbulwerden«plakatieren;3 inGrazsorgtedieFPÖ-
Kandidatin SusanneWintermit antimuslimischenHassreden für Skanda-
le.4ZurNationalratswahl setztedieFPÖaufdeneingängigenReim»Daham
statt Islam« und forderte unter anderem ein gesetzliches Verbot des Baus
vonMoscheen undMinaretten (vgl. Krzyżanowski 2013). In späteren Kam-
pagnenwurde diesesMotiv variiert, FPÖ-Wahlplakate transportierten etwa
dieSlogans»PummerinstattMuezzin«5 oder»Abendland inChristenhand«.
KarinLiebhart kommt in ihrerAnalysederBildsprache rechtspopulistischer
und rechtsextremer Parteien zumSchluss: »Keine FPÖ-Wahlkampagne, sei
es auf lokaler, regionaler, nationaler oder europäischerEbene, kommtohne
ausländerfeindlicheund/oder antimuslimischeSlogans,BilderundSymbole
3 DerSloganisteineAbwandlungeinerbereits1991vonderFPÖunterJörgHaiderdurchge-
führtenKampagne.DamalswurdenPlakatemitderAufschrift »WiendarfnichtChicago
werden!« fürdenGemeinderats-Wahlkampf inWienaufgestellt. »Chicago«wurdeindie-
semZusammenhangals rassistischaufgeladenesCodewort füraußerKontrollegeratene
Kriminalitätgelesen(vgl.Zuser1996).
4 SusanneWinter bezeichnete unter anderem den ProphetenMohammed als »Kinder-
schänder«, den Islamals »Feindreligion« undwarnte vor einem »Einwanderungstsuna-
mi«.Siewurdedafür2009wegenVerhetzungundderHerabwürdigungreligiöserLehren
rechtskräftigverurteilt.
5 PummerinheißtdieKirchenglockedesWiener Stephansdoms, sie gilt alsWahrzeichen
fürdiechristlich-katholischeTraditionWiens.
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Title
- Im Namen der Emanzipation
- Subtitle
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Author
- Benjamin Opratko
- Publisher
- transcript Verlag
- Location
- Bielefeld
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 366
- Keywords
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Categories
- Weiteres Belletristik