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5 »IslamgleichProblem« 195
Deutschland kommt etwa Yasemin Shooman in ihrer Untersuchung deut-
scherNachrichtenmagazinezumSchluss,dassdie»KategorieGeschlecht […]
inantimuslimischenDiskurseneinezentraleRolle [spielt]« (Shooman2014a:
98). Gabriele Dietze formuliert noch drastischer, dass für antimuslimische
Diskurse»dasGeschlechterverhältnis–insbesonderedieFrauenfrage–kein
Nebenwiderspruch[ist],sondernseineSignatur« (Dietze2009:24).Zweitens
wirdderToposzwarvordergründigals ›Frauenfrage‹artikuliert–esgehtum
›dieRolle‹, ›dieStellung‹, ›dasBild‹oder ›dieRechte‹derFrau–zugleichwird
damit aber nicht nur die vergeschlechtlichte Figur dermuslimischen Frau
bzw.desmuslimischenMädchens aufgerufen, sondern einGeschlechterver-
hältnis, das denmuslimischenMann bzw. denmuslimischen Jungenmeist
unausgesprochenmit einschließt.Wo gefragt wird, »wie Frauen behandelt
werden« (C2m), »wie gehtmanmit Frauen um« (G2m) ist das Subjekt, das
»behandelt«oder»umgeht«zwarrhetorischabwesend,dochdiskursivhöchst
präsent und klarmuslimisch-männlich codiert. ImAlltagsverstand der Be-
fragten erscheint diemuslimische Andere so tendenziell als Verkörperung
einesMangels an Freiheit und Rechten, der muslimische Andere komple-
mentär alsÜberschuss anMachtundGewalt.Drittenswirddasmuslimische
Geschlechterverhältnis als gesamtgesellschaftlichesProblem artikuliert.Die-
ses Problem entsteht, weil das als besonders gewaltvoll wahrgenommene
muslimische Geschlechterverhältnis einerseits als der eigenen Gesellschaft
äußerlich dargestellt wird, andererseits jedoch – vermittelt über den Topos
derMigration– innerhalb der Gesellschaft verortet wird.Das kann anhand
der folgenden Interviewpassage illustriert werden. Der befragte Journalist
antwortet auf die Frage, welchemit dem Islam verknüpften Konflikte aus
seiner Sicht politisch undmedial sehr präsent sind: »Also, ich glaube es ist
ganz, ganz stark im Islam, das ist auch in Österreich oder imwestlichen
Europa sehr stark diskutiert, dieses Rollenverständnis zwischenMannund
Frau« (C1m). Als praktisches Beispiel nennt er Berichte, wonachmuslimi-
schenMädchenvonderFamilie derBesuchdesSchwimmunterrichts inder
Schuleverbotenwerde:
»Wie gehtman damit um, wenn islamischeMädchen zumBeispiel nicht
schwimmen gehen dürfen vomElternhaus aus? Undwas ist die Rolle der
Frau, wann ist eine Frau unterdrückt, und kannman das in unserem ge-
sellschaftlichen Konsens tolerieren oder eben nicht tolerieren, oder kann
man eben einmahnen, dass bei uns das halt eben eine gleichberechtigte
Im Namen der Emanzipation
Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Title
- Im Namen der Emanzipation
- Subtitle
- Antimuslimischer Rassismus in Österreich
- Author
- Benjamin Opratko
- Publisher
- transcript Verlag
- Location
- Bielefeld
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4982-0
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 366
- Keywords
- Rassismus, Österreich, Islam, Moslem, Fremdenfeindlichkeit, Religion
- Categories
- Weiteres Belletristik