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ten Publikums vorzeitig abgebrochen werden muß. Auf eine Bespre-
chung in der »Wiener Allgemeinen Zeitung«43 antwortet tags darauf der
Veranstalter, der Renaissanceverlag, der festhält, daß Rechtsanwalt
Dr. Klemens Weitz mit allen auf den Plakaten Genannten mündliche
Verträge abgeschlossen habe. »Herr Anton Kuh hat seine Zusage un-
verhofft brieflich zurückgezogen mit einer Begründung, die wir der
Öffentlichkeit kaum bekanntgeben können. Wir haben an Stelle der
Ausgebliebenen die Herren Felix Dörmann, U. Tartaruga und Dr. Weil
(›Homunkulus‹) nachträglich eingeladen und taten also alles, was nur
möglich war, um unser verlautbartes Programm einzuhalten. Die Ver-
anstaltung verlief anfangs in voller Ruhe, wurde erst durch eine Gruppe
von Freunden des Herrn Anton Kuh gestört, die gleich nach der dritten
Nummer des Programms im Künstlerzimmer erschienen und mit einem
öffentlichen Skandal drohten, wenn das Auftreten des Herrn Anton
Kuh unterbleiben sollte. Obwohl Robert Weil das Ausbleiben des
Herrn Kuh vom Podium rechtfertigte und bekannte Schriftsteller und
Humoristen […] am Lesepulte erschienen und das ganze aus 12 Punk-
ten bestehende Programm eingehalten wurde, provozierte dennoch
diese Gruppe den Radau.«44 Kuh hatte unter anderem im »Neuen
Wiener Journal« richtigstellen lassen, daß sein Name irrtümlich auf die
Teilnehmerliste gelangt sein müsse, »da er der Veranstaltung gänzlich
ferne« stehe,45 und in einer ausführlichen Stellungnahme in der »Wiener
Allgemeinen Zeitung« unter anderm bemerkt: »Was aber den Skandal
›meiner Freunde‹ im Konzerthaussaal anlangt, so geht aus dem Geschil-
derten hinlänglich hervor, daß sie (wenn ich solche hätte) nur Grund
gehabt hätten, über mein Erscheinen auf dem Podium, nicht aber über
mein Nicht-Erscheinen Skandal zu schlagen.«46
Am 3. November 1922 stören Krawall schlagende Hakenkreuzler
eine Lesung Arthur Schnitzlers im Teplitzer »Lindenhof«. Schnitzler
muß nach mehreren Anläufen, nach Tumulten und Handgemengen die
Veranstaltung abbrechen. Der Vorfall, hinter dem der antisemitische
Verein »Eiche« steckt, bleibt in Wien unbeachtet
– beinah. Für Kuh ist
er eine weitere Gelegenheit, auf das Gefahrenpotential hinzuweisen,
das die sudetendeutschen Gebiete darstellen, aus denen sich »in Wien
alljährlich das Reservoir des sogenannten akademischen Nachwuchses
auf[füllt], von dort kommt in Kurzhosen und Windjacke der nationale
Gesinnungsträger anmarschiert«.47 »Schnitzler ist kein deutsch Herz,
kein züchtig Vorbild, kein köstlich Gut. Darum leistet Deutschböh-
men, dort, wo es am dunkelsten wird, die Ringplätze und Gehirnringe
keinen Blick mehr freigeben, jenes altbekannte Flachland der Vernunft,
aus dem Wien und Großösterreich seine schwärzesten Gaben bezog
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Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter Schübler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien