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Anton Kuh - Biographie
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147 mit dem Auge des lebensfrohen Menschen [zu] betrachten«14. Flott und mit Witz geschrieben, ist die Zeitung mit ihrer »boulevardesken« An- mutung indessen keineswegs eine kleinkrämerische und kleinkarierte »Hausmeisterzeitung«, sondern steht politisch und gesellschaftspoli- tisch links der Mitte. »Die Stunde« vertritt unter der Chefredaktion von Karl Tschuppik entschieden die Interessen des republikanischen Bürgers gegen jegliche in die neue Staatsform mitgeschleppte behördliche Bevormundung, insbesondere sittenpolizeiliche Schnüffelei und Justizwillkür, arbeitet programmatisch gegen die von der christlichsozial dominierten Bundes- regierung betriebene Provinzialisierung der ehemaligen Metropole des Vielvölkerstaats, reagiert in ihrer europäischen Perspektive gegen die wieder Platz greifenden Nationalismen und insbesondere vehement gegen den nationalistischen »Kretinismus« (so die redaktionelle Stan- dardbezeichnung) der Großdeutschen, gegen Kleingeisterei und Re- vanchismus, Militarismus und den endemischen Antisemitismus sowie das Lavieren der Christlichsozialen in Sachen Antisemitismus. Bei der »Stunde«, diesem, ungewöhnlich für Wiener Verhältnisse, in keinem Naheverhältnis zu irgendeiner politischen Parteiung stehenden Boulevardblatt, deren Redaktion er bis Juli 1924 angehört, ist Anton Kuh vor allem »Erster Theaterkritiker«  – der sich auch von den dama- ligen »Bildungsschichten« noch verschmähter Unterhaltungsformen wie Kabarett, Revue und Varieté, Zirkus und Tanz annimmt und ins- besondere auch über Jargon-Bühnen berichtet, die für die bürgerliche Presse nicht gesellschaftsfähig sind. Daneben aber immer auch hell- wache Beobachtungen des »Kulturchronisten«15, der die Physiognomie der Zeit so luzide erfaßt, wie er sie brillant zeichnet. Wenn er etwa 1923 im demonstrativen Bekenntnis zum Strauß-Walzer »eine Art musika- lisches Hakenkreuz auf der Brust der Antishimmyten«16 erblickt oder 1926 im »Gent-Gesicht«, der Mode, wieder Schnurrbart zu tragen, eine Backlash-Reaktion auf Bubikopf* und Frauenemanzipation.17 Politik und inbesondere die völkischen und hakenkreuzlerischen Umtriebe gehören weiterhin zu seinem schreiberischen Portefeuille. Letztere sind Alltag und tagtägliches Ärgernis. Am 11. April 1923 expliziert Anton Kuh seine einschlägigen Thesen vor dem Bezirksgericht * Der »Buben-« resp. »Bubikopf« ist Anfang der 1920er Jahre ein »Kul tur- kampf«-Thema. Den Fortschrittlichen ist er Merkmal und Ausdruck der emanzipierten, selbstbewußten und selbstbestimmten »neuen Frau«, den Konservativen Schreckbild und Inbegriff der aus den Fugen geratenden »natürlichen« Geschlechterordnung.
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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