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Anton Kuh - Biographie
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150 weiterer Zeugen und zur Zusammenziehung der neuerlichen Verhand- lung mit der vom Angeklagten erhobenen Gegenklage.«19 Im Mai 1923 etwas im Stadtbild bis dahin nicht Gesehenes: Couleur- studenten  – jene farbentragenden Jünglinge, die sich nicht nur wochen- tags bei den täglichen antisemitischen Krawallen in den Hörsälen hervor- tun, sondern sonntags auch in Rudeln in Ringstraßencafés einfallen und Menschen mit der »falschen Nase« aus den Lokalen zerren, um sie zu ver prügeln  –, die man ansonsten nur in der Josefstadt und am Alsergrund antraf, pflegen den sogenannten »Bummel«, den »Brauch, seine Gesin- nung paarweise äußerln zu führen«,20 nun auch in Gegenden, wo sie sich früher nicht sehen ließen: in der City. Studentenkappeln  – »Wahr- zeichen von Taschengeldgesinnung, Provinz und Straßenfremdheit«  – auf dem Korso, die »unwienerische, plebejische Farben-Note« kin- disch-patzig in die weltstädtische Flaniermeile getragen: für Kuh ein untrügliches Symptom: »Ein Schritt weiter auf dem parteilicher- und behördlicherseits entschlossen eingeschlagenen Weg, die entkaiserlichte Stadt auf den Rang von Graz hinabemporzudrücken.«21 Pogromartige Krawalle sind an Universität und Hochschulen an der Tagesordnung. Die Behörden weigern sich unter dem Vorwand des vorgeblich autonomen Hochschulbodens einzuschreiten. Hakenkreuz- tragende Studenten stürmen am Vormittag des 19. November 1923 unter den Rufen »Juden hinaus!«, »Hoch Hitler!« und »Hoch Luden- dorff!« Hörsäle am Anatomischen und am Physiologischen Institut sowie an der Juridischen Fakultät, sprengen die Vorlesungen jüdischer und sozialistischer Professoren und mißhandeln jüdische Hörer. Als der Rektor die Sperrung der Universität verfügt, besetzen die krawallieren- den Couleurstudenten die Aula und die Rampe der Universität. Redner aus Berlin und München ergreifen das Wort: Man müsse dem deutschen Beispiel folgen und dürfe nicht eher ruhen, als bis die Hakenkreuz- fahne, »getränkt mit dem Blute der ›Novemberverbrecher‹«, auf dem Universitätsdach wehe. »Zu Roheitsexzessen kam es, als verschiedene Damen und Herren, die den Promotionen beigewohnt hatten, über die Haupttreppe das Universitätsgebäude verlassen wollten. Sie wurden mit dem Rufe: ›Judengelichter‹ empfangen und unter Püffen und Stößen die Treppe hinuntergestoßen. Jüdische und sozialistische Studenten, die ebenfalls, dem Auftrage des Rektors gemäß, das Universitätsgebäude verlassen wollten, wurden von den Hakenkreuzlern, die auf der Rampe Aufstellung genommen hatten, in der heftigsten Weise mißhandelt. Der Vorgang spielte sich gewöhnlich so ab, daß etwa zehn deutschvölkische Studenten einen Gegner ergriffen, ohrfeigten, ihm die Kleider zerfetz- ten und ihn dann mit Fußtritten die Rampe hinunterstießen. Mehreren
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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