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Anton Kuh - Biographie
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176 nicht einen Kreuzer hinausgeworfen.« Kuh auf den Einwurf von Hei- duks Anwalt »Na, besonders geistreich oder originell ist ja das ›Götz‹- Zitat auch nicht!«: »Geistreich nicht, aber  – kategorisch!«97 Der Be rufung wird stattgegeben, die Klage an die erste Instanz zurückver- wiesen. Am 12. April gibt Kuh an, daß er den Ausdruck »blöd« nicht verwendet habe, sondern »unter großer Heiterkeit der Fahrgäste« Hei- duk zugerufen habe: »Sie können mich jeden Dienstag und Freitag zwischen 3 und 5 Uhr  …« Der habe es nämlich darauf angelegt gehabt, mit ihm, dem Monokelträger, anzubinden. Beim ruckenden Anfahren der Straßenbahn sei er an Heiduk angestreift und habe dafür umgehend um Verzeihung gebeten. Heiduk habe sich jedoch mit der Entschuldi- gung nicht zufriedengegeben, so daß er, um weiterem verbalem Ge- plänkel vorzubauen, seinem Kontrahenten das »Götz«-Zitat an den Kopf geworfen habe. Es sei dies »Ausdruck des Souveränitätsgefühls eines Menschen gewesen, der nervös gemacht wird«.98 Worauf Bezirks- richter Friedrich Berger Kuh zunächst fragt, ob er »vielleicht auffallend nervös« sei, was Kuh bejaht, und dann, mit den Fingern schnippend, diesen mit den Worten »Das werden wir ganz anders machen. Kommen S’ her da, Angeklagter!« zu sich winkt. Und ihn dann mit einem inquisi- torischen Stakkato traktiert  – »Waren Sie beim Militär?«, »Waren Sie eingerückt?«, »Wo waren Sie?«, »Waren Sie im Hinterland oder im Schützengraben?«, »Wo waren Sie im Hinterland?«  –, das kulminiert in der Frage: »Waren Sie schon in einer geschlossenen Anstalt?«  – mit dem Nachsatz: »Ich behalte mir nämlich vor, Sie psychiatrieren zu las- sen.«99 Kuh erwidert, daß er »seiner Ansicht nach vollkommen geistes- gesund sei und daß eine Verfügung, ihn zu psychiatrieren, wohl tenden- ziös wäre«. Etwas schärfer im Ton seine Nachbetrachtung des anmaßenden rich- terlichen Übergriffs: »Ich vergaß im Augenblick ganz, daß ich Mit- arbeiter der ›Stunde‹ bin und als solcher dem Gericht nur zu bekannt. Ich vergaß, wie viele saftige Worte ich mir schon über die Amtsplebejer, die da in fünf armseligen Minuten die ganze Seligkeit der Vergeltung aus- kosten wollen, geleistet hatte. Daß ich also hier vor allem nicht als der unbekannte Angeklagte, sondern als der bekannte Ankläger stand. […] Das also war’s! Es galt bloß, sich an einem derer, die sich über Herrn Dr. Berger und die Dr.-Berger-Justiz belustigen, das Mütchen zu küh- len. Der Herr hatte einfach auf dem Rayon seiner durch Disziplinar- mittel verbürgten Überlegenheit einen Schimpf gegen mich vor  – gleich druckreif für das Parteiblattl: ›Angeklagter  … Antrag  … Psychiatrisie- rung  …‹ […] / Ein kleiner Beitrag zum heutigen Justizgeist. Hätte der Dr. Berger, dessen Schicksal, schlechtbezahlter Beamter der Justiz zu
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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Anton Kuh