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Anton Kuh - Biographie
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180 schem Kitsch Gefallen finden und darin möglicherweise noch eine kulturelle Tat erblicken zu müssen glauben«; »alle Nichtentarteten« dagegen könnten sein Wirken nur als »ungeheures Verbrechen an unse- rer Jugend« sehen. Rothstocks Tat sei »bedauerlich, noch ungleich ent- setzlicher ist es aber, daß heute ein Mensch mit reinem, unverdorbene- nem, sittlichem Empfinden durch die verpesteten Verhältnisse unseres öffentlichen Lebens gezwungen wird, zur Mordwaffe zu greifen und vor dem Gesetz zum Verbrecher zu werden, wenn er aus Verzweiflung über die unverantwortliche Pflichtvergessenheit der Jugendbehörden aus einem unabweisbaren inneren Sittengesetz selbst jene zu richten unternimmt, die er als Verbrecher an unserer Jugend erkennt.«110 Tags darauf zieht Karl Sedlak aus einem Überblick über die Reaktio- nen der »Judenpresse« auf das Revolverattentat des »jugendlichen Idea- listen«, in dem man nichts anderes als den »Vollstrecker eines Volks- urteils«111 sehen könne, das Fazit: »Die ›Stunde‹, von der die Moral Bettauers in Groß- und Alleinbetrieb genommen ist, entsetzt sich, mehr noch als über die Tat, über den Umstand, daß es in Wien von Juden ge- leitete Blätter gibt, welche nicht bloß die Tat verurteilen, sondern auch die Gründe, die naturgemäß zu solcher Tat führen mußten. Das ist echte ›Stunde‹! Sie fühlt sich eben in ihrem Geschäftsbetrieb bedroht und wird hoffentlich hierin recht behalten. Auch für diese ›Stunde‹ muß die Stunde schlagen, wenn es besser werden soll.«112  – Eine Auf- forderung zur »Selbsthilfe«? Ein Dreivierteljahr zuvor, nachdem der christlichsoziale Bundes- kanzler Ignaz Seipel bei einem Schußattentat auf dem Südbahnhof am 1. Juni 1924 schwer verletzt worden war, sind für die Rechtspresse die  Schuldigen rasch ausgemacht: die »fanatische Verhetzung unserer Arbeiterschaft durch den gewissenlosen Klüngel der meist jüdischen Drahtzieher« der marxistischen Arbeiterbewegung sowie die »unver- antwortliche Demagogie, auf Lügen aufgebaute Verhetzung und be- wußt unberechtigten Anschuldigungen gegen die politischen Gegner«, namentlich durch: »Arbeiter-Zeitung«, »Der Tag«, »Der Abend«  – und die »›Stunden‹-Dirne«. Und auch die Schlüsse sind rasch gezogen: »Das geistige Banditentum muß aus unserem öffentlichen Leben end- lich verschwinden und die Maßnahmen, um es unschädlich zu machen, müssen gefunden werden. Das ist die unabweisbare Forderung der Zeit«, so die »Dötz«.113 Die »Deutsche Arbeiter-Presse«: »Wird es durch die Ämter und Behörden zu erreichen sein, daß nunmehr dem jüdischen Terror, der jüdischen Verhetzung Schranken gesetzt wer- den? Wir haben nach unseren Erfahrungen die Hoffnung auf eine Ab- hilfe von dieser Seite aufgegeben. […] Für uns muß es heißen: ›Selbst ist
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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