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schem Kitsch Gefallen finden und darin möglicherweise noch eine
kulturelle Tat erblicken zu müssen glauben«; »alle Nichtentarteten«
dagegen könnten sein Wirken nur als »ungeheures Verbrechen an unse-
rer Jugend« sehen. Rothstocks Tat sei »bedauerlich, noch ungleich ent-
setzlicher ist es aber, daß heute ein Mensch mit reinem, unverdorbene-
nem, sittlichem Empfinden durch die verpesteten Verhältnisse unseres
öffentlichen Lebens gezwungen wird, zur Mordwaffe zu greifen und
vor dem Gesetz zum Verbrecher zu werden, wenn er aus Verzweiflung
über die unverantwortliche Pflichtvergessenheit der Jugendbehörden
aus einem unabweisbaren inneren Sittengesetz selbst jene zu richten
unternimmt, die er als Verbrecher an unserer Jugend erkennt.«110
Tags darauf zieht Karl Sedlak aus einem Überblick über die Reaktio-
nen der »Judenpresse« auf das Revolverattentat des »jugendlichen Idea-
listen«, in dem man nichts anderes als den »Vollstrecker eines Volks-
urteils«111 sehen könne, das Fazit: »Die ›Stunde‹, von der die Moral
Bettauers in Groß- und Alleinbetrieb genommen ist, entsetzt sich, mehr
noch als über die Tat, über den Umstand, daß es in Wien von Juden ge-
leitete Blätter gibt, welche nicht bloß die Tat verurteilen, sondern auch
die Gründe, die naturgemäß zu solcher Tat führen mußten. Das ist
echte ›Stunde‹! Sie fühlt sich eben in ihrem Geschäftsbetrieb bedroht
und wird hoffentlich hierin recht behalten. Auch für diese ›Stunde‹
muß die Stunde schlagen, wenn es besser werden soll.«112 – Eine Auf-
forderung zur »Selbsthilfe«?
Ein Dreivierteljahr zuvor, nachdem der christlichsoziale Bundes-
kanzler Ignaz Seipel bei einem Schußattentat auf dem Südbahnhof am
1. Juni 1924 schwer verletzt worden war, sind für die Rechtspresse
die Schuldigen rasch ausgemacht: die »fanatische Verhetzung unserer
Arbeiterschaft durch den gewissenlosen Klüngel der meist jüdischen
Drahtzieher« der marxistischen Arbeiterbewegung sowie die »unver-
antwortliche Demagogie, auf Lügen aufgebaute Verhetzung und be-
wußt unberechtigten Anschuldigungen gegen die politischen Gegner«,
namentlich durch: »Arbeiter-Zeitung«, »Der Tag«, »Der Abend« –
und die »›Stunden‹-Dirne«. Und auch die Schlüsse sind rasch gezogen:
»Das geistige Banditentum muß aus unserem öffentlichen Leben end-
lich verschwinden und die Maßnahmen, um es unschädlich zu machen,
müssen gefunden werden. Das ist die unabweisbare Forderung der
Zeit«, so die »Dötz«.113 Die »Deutsche Arbeiter-Presse«: »Wird es
durch die Ämter und Behörden zu erreichen sein, daß nunmehr dem
jüdischen Terror, der jüdischen Verhetzung Schranken gesetzt wer-
den? Wir haben nach unseren Erfahrungen die Hoffnung auf eine Ab-
hilfe von dieser Seite aufgegeben. […] Für uns muß es heißen: ›Selbst ist
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book Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter Schübler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien