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Anton Kuh - Biographie
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222 »In jeder Beziehung die freieste Stadt der Welt«  – Berlin »Ob es mir in Wien gefällt? Auf diese Frage gebe ich keine Antwort  – das wäre mein ganzes Lebenswerk.«1 Auch wenn Anton Kuh eine Ant- wort auf die im Juni 1926 von der »Bühne« lancierte Rundfrage brüsk verweigert, als sei sie eine Zudringlichkeit, die ans Allerprivateste rührt, hat er sie doch bereits gegeben: Er ist kurz davor nach Berlin übersiedelt  – wo ihm »kein Typus so zuwider [ist] wie der Mimikry- Berliner aus Österreich«.2 Anfang der 1920er Jahre setzt der Exodus der Wiener Intellektuellen und sogenannten Kulturschaffenden nach Berlin ein, wo sie bessere Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten erwarten. Das Statistische Reichs- amt über die Ausländerbewegung beziffert zum Stichtag 31. Dezember 1927 die österreichische Kolonie mit 26.218 Personen.3 Anton Kuh kehrt seiner Geburtsstadt im Sommer 1926 den Rücken, um fortan, »in Berlin unter Wienern statt in Wien unter Kremsern zu leben«4. Österreich ist dabei, zu einer »Schweiz der Komfortlosigkeit«5 zu verkommen; die Provinz, die darauf aus ist, die Metropole Mores zu lehren, dringt immer mehr durch. Kuh flieht aus der stickigen Enge der Hauptstadt eines untergegange- nen Großreichs in die weltstädtische Atmosphäre eines auf märkischem Sand hochgezogenen Klein New York. Allerdings gesteht er 1930 in einem Interview, daß er, immer wenn er nach Wien zurückkommt, Angst habe, dieser »herrlichen Stadt der Ehrgeizlosigkeit« zu verfallen, die »im Gegensatz zum ordinären Berlin«  – diesem »Ehrgeizknoten- punkt«6  – »noch im Roßknödel feudaler« sei »als Berlin in seinem Stre- ben nach dem Anglizismus«.7 Er behält sich seine Begeisterung für den Menschenschlag, der die unvergleichliche Atmosphäre und Lebensart seiner Geburtsstadt präge, für das Sinnenfreudige, Leichtlebige, »Roma- nische«, das »den Wiener« ausmache. Trotzdem, so Kuh weiter: »Ich könnte heute nur in Berlin leben. Erstens, weil Berlin jetzt in jeder Beziehung die freieste Stadt der Welt ist. Zweitens, weil es fraglich ist, ob es überhaupt ein Europa gibt. Aber in Berlin hat man wenigstens die Illusion davon. In Wien herrscht das Europa von 1890.« »Wien« und »Berlin«, das sind »nicht nur die Namen zweier Städte, das sind darüber hinaus Chiffren für Kulturen«.8 In den 1920er Jahren ist die Gegenüberstellung von Donau- und Spreemetropole als Gegen-
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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