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Anton Kuh - Biographie
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237 In einem Gefühl »unterirdischen Corpsgeistes«  – Bewerbung bei Maximilian Harden Ein einziges Mal schickt Anton Kuh, der’s ansonsten nicht nötig hat, mit seinen Texten zu antichambrieren, ein »Bewerbungsschreiben« ab. Der Adressat: Maximilian Harden. Harden hatte ab 1. Oktober 1892 »Die Zukunft« herausgegeben, eine politische Wochenschrift, die sich als Forum angesehener Literaten und Künstler, Wissenschaftler und Politiker rasch europaweites Re- nommee erarbeitete, ehe er sie als seine private Tribüne betrieb, die er als Korrektiv der politischen Praxis betrachtete.1 Seine Pamphlete gegen die wilhelminische Hofkamarilla, mit denen er sich wiederholt Beschlag- nahmen, Prozesse wegen Majestätsbeleidigung und Verurteilungen zu mehrmonatiger Festungshaft einhandelte, trugen zur Popularität der »Zukunft« in oppositionellen Kreisen bei. Im Kampf gegen das persönliche Regiment Wilhelms II. und die Klüngel um dessen Berater Fürst Philipp zu Eulenburg und Kuno Graf Moltke, deren Einfluß auf Wilhelm II. Harden für die säbelrasselnde Außenpolitik des Reichs verantwortlich machte, schreckte Harden, be- stens mit Informationen aus dem innersten Hofkreis versorgt, vor keiner Indiskretion zurück. Um die Kamarilla aus ihren Hofämtern zu drän- gen, lancierte er Informationen über die Homosexualität Eulenburgs und andere Männerfreundschaften am Hof, woraufhin Moltke und Eulenburg vom Kaiser unehrenhaft entlassen wurden. Karl Kraus hatte nach dieser aufsehenerregenden Affäre mit seinem Mentor gebrochen, weil Harden sich in der Auseinandersetzung mit Eulenburg nicht scheute, die »Argumente des Muckers«2 ins Treffen zu führen, das heißt, unter dem Vorwand der Wahrung öffentlicher Inter- essen intime Details aus dem Privatleben seiner politischen Gegner publik zu machen. Kraus beharrte auf der Trennung von öffentlicher und privater Sphäre als unhintergehbarem Prinzip.3 Er trat für die Straf- freiheit homosexuellen Verkehrs ein, eben auch, um die soziale Äch- tung und die Erpreßbarkeit in der Öffentlichkeit stehender Personen, die mit einer unterlassenen Strafanzeige ins Werk gesetzt werden konnte, ein für allemal auszuschließen. Kraus statuierte an Harden ein Exempel dafür, daß ihm Stil ein »Maß- stab ethischer Werte«4 war, seiner Überzeugung gemäß, wonach Stil und Gesinnung nicht reinlich zu scheiden seien, sondern eine verhunzte
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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