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Anton Kuh - Biographie
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239 Von 1917 an sah er ihn besser (weil tiefer); da wußte er: es ist der Typus des Lebens- und Sinnesfeindes, des phrasengeharnischten Knaben, des chronisch Unerwachsenen. Er machte linkskehrt, weil die Zeit und seine Erfahrung dasselbe gemacht hatten.«13 Kuh sah ihm, dem »Mutigen«14, dem Verfemten, auf Proskriptions- listen ganz oben Stehenden, dem Andersmeinenden, der es wagte, »gegen den breiten Strom der Lüge zu schwimmen«15, auch Eitelkeiten wie Schminke und Schnürbrust, die Chrysantheme im Knopfloch und die weißen Glacéhandschuhe nach. Er sah dem hypnotisierenden Redner, der unerbittlich war in seiner Kritik der deutschen Zustände, der klar- sichtig darauf drang, daß Deutschlands Weg nur nach Europa führen könne, theatralische Posen und primadonnenhaftes Gebaren nach. Parteilos, mit ausgesprochener Abneigung gegen den Liberalismus und starker Sympathie für das preußische Junkertum, hatte Harden sich im Ersten Weltkrieg vom Kriegstreiber und Annexionisten zum Pazifi- sten und Verständigungspolitiker gewandelt, der nicht nur den Versailler Vertrag guthieß, sondern Deutschland auch maßgebliche Kriegsschuld zuwies  – und sich damit den Haß der Nationalisten zuzog. Neun Tage nach dem tödlichen Bomben- und Schußattentat auf Reichsaußenmini- ster Walther Rathenau, am 3. Juli 1922, versuchte die rechtsextreme Terror- und Femeorganisation »Consul« auch dessen ehemaligen Freund Maximilian Harden zu ermorden. Der Oberleutnant a. D. Wal- ter Ankermann knüppelte Harden mit einem Totschläger nieder und drosch dann auf dessen Schädel ein.16 Nicht erst der Anschlag, den Harden zwar knapp überlebte, von dem er sich aber nie mehr erholte, ließen ihn im Herbst 1922 die »Zukunft« einstellen. Deren Auflage war mit dem Verblassen von Hardens Stern längst eingebrochen. Die »Weltbühne« und das »Tage-Buch« hatten die Nachfolge übernommen, ohne je ihren Einfluß zu erreichen. Robert Breuer rechnete Harden dem »Bestand des wilhelminischen Barock« zu, der »ohne den Hintergrund des dekorativen Dilettanten auf dem Throne Bismarcks« nicht vorstellbar gewesen sei  – und mit Wil- helm II. sei auch sein »giftiger Chroniqueur« von der Bühne gefegt worden.17 Mit der »Zukunft« habe er zwar das Archiv der Epoche hinterlassen, die Zeitschrift aber nicht in die neue Zeit hinüberretten können. Das Gewissen der Republik zu spielen, deren Protagonisten er mit Schmähungen überzog, war Harden versagt geblieben. In der Kaiser- zeit eine »öffentliche Person« wie wenige neben ihm, hatte er sich in einer ihm fremd gewordenen Zeit ins politische Abseits manövriert. 1925 trug sich Harden mit dem Gedanken, die »Zukunft« neu zu lancieren. Im Frühjahr 1926 nahmen seine Pläne, angespornt vom
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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