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Anton Kuh - Biographie
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250 (Döblin) zu adressieren, wodurch die Schriftsteller im Rundfunk ge- zwungen seien, »mündlich zu sprechen und sprechen zu lassen, und sich auf den lebenden einfachen Menschen der Straße und des Landes einzustellen.«12 Bronnen sah das anders. In seinem Kurzreferat zum Thema Hörspiel pöbelte er am zweiten Tag »die Literaten« unverblümt im Nazi-Jargon an. In vehementer Abgrenzung zu seinem Vorredner, dem Leiter der Hörspielabteilung der »Berliner Funkstunde«, Alfred Braun, der die anwesenden Schriftsteller nachdrücklich eingeladen hatte, ihren Part bei der Entwicklung radiokünstlerischer Formen zu übernehmen, ver- wahrte er sich dagegen, den Rundfunk als »Versorgungsanstalt für aus- gediente Literaten«13 zu mißbrauchen, zog gegen eine »schamlose Zunft verantwortungsloser, dem eigenen Volke entfremdeter, keiner Rasse, keiner Landschaft verhafteter Literaten« vom Leder. Während Döblin zufolge Literatur im Radio den »lebenden einfachen Menschen« anzu- sprechen habe, adressierte das neue Medium Bronnen zufolge  – völ- kisch-kollektivistisch  – die »Nation«, war letzterem der Rundfunk ein Vehikel, das einerseits die Bedürfnisse der Massen zu erfüllen habe, die Massen aber andererseits zur Nation forme. Gegen Demagogie und Massenbeeinflussung setzten etwa Bertolt Brecht und Walter Benjamin auf den Rundfunk als Medium politischer Aufklärung und revolutionärer Veränderungen sozialer Verhältnisse, indem man ihn von einem »Distributionsapparat in einen Kommuni- kationsapparat« verwandelt14 und indem man den Hörer aktiviert und als Produzenten wiedereinsetzt.15 Ähnlich wie Bert Brecht in seinen Radio-Lehrstücken erprobte auch Walter Benjamin »unliterarische, stofflich und sachlich bestimmte Hörspiele« und »Hörmodelle« als Gegenmodell zum »literarischen Hörspiel mit seiner fragwürdigen Hör- kulisse«16, die es den Hörern nicht erlaubten, sich gegenüber dem Rundfunk in eine passive Konsumentenhaltung zu bequemen  – die aller- dings frommer Wunsch und Episode blieben. Die Überlegungen der Literaten und Radiomacher, die in Kassel zusammentrafen, kreisten darum, welche Stellung die gesprochene Spra- che und die Stimme im neuen Medium haben sollten. Denn, so Hans Flesch, es sei das »eigenste Wesen« des Funks, »als Träger des Gedan- kens nicht den Buchstaben, sondern die [vom Mitteilungszwang eman- zipierte] menschliche Stimme zu benutzen«.17 Man war sich darüber einig, daß »Erfahrungen von Theater und Rednerbühne« nicht weiter- halfen, daß Vortragstechniken wie Rezitieren und Deklamieren dem neuen Medium nicht angemessen waren. Jeder theatralische Ton mußte unter dem »Vergrößerungsglas« des Mikrophons deplaciert wirken, die
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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