Page - 266 - in Anton Kuh - Biographie
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zustellen, ohne daß die Geliebte kompromittiert wird, die unter seinem
läuternden Einfluß und als seine Ehefrau auf den Pfad der Tugend zu-
rückfinden wird.
Der Film wird nicht nur vom Premierenpublikum – die Urauffüh-
rung findet am 19. März 1929 im Primus-Palast in der Potsdamer Straße
statt – stark akklamiert, sowohl Drehbuch wie auch Regie (Friedrich
Fehér), Kamera (Leopold Kutzleb), Bauten (Ernö Metzner und Ernst
Meivers) und die Darsteller (mit Ausnahme Magda Sonjas) des tempo-
reich und atmosphärisch dicht inszenierten Krimis ernten einhelligen
Zuspruch. Insbesondere der Drehbuchschreiber heimst Lob ein. Hans
Feld im »Film-Kurier«: »Der Erfolg beim Publikum hat die Berechti-
gung dieser Unterhaltungskunst erwiesen. Anton Kuh gibt dem Film
nur, was des Films war, wenn er einen Reißer aufbaut, pointensicher,
spannend wie ein Stück Theater von Dumas oder Sardou.«45
Mit dieser Empfehlung in der Tasche heuert Anton Kuh auf einem
Dampfer an, den er schon Jahre zuvor und immer wieder genüßlich
polemisch versenkt hatte: der Operette, der verfilmten Operette, um
genau zu sein.
»Die Nacht gehört Richard Tauber – er singt herrlich, alles um ihn
herum sinkt in ein Nichts.« Hierin ist dem Jubelplakat zur Gala-
premiere von »Ich glaub’ nie mehr an eine Frau« im Berliner Capitol
am 3. Feber 1930 uneingeschränkt zuzustimmen: In der albernen, vor
Sentiment triefenden Geschichte um eine heilige Sünderin, ein Käthchen
von Heilbronn im Bordell, und einen unverdorbenen, edlen Matrosen-
jüngling, in die Richard Tauber sich wie ein Deus ex machina bei jeder
passenden und unpassenden Gelegenheit – eine Rolle, die man zur
Gänze aus dem Film herausschneiden könnte, ohne daß die Dramaturgie
darunter litte
– auf den Flügeln des Gesanges aus seinen Wolken schwingt
und die harten Stöße, die das Schicksal austeilt, tenoral abfedert, ver-
kommt neben dem Kammersänger alles zur Statisterie.
»Der Tonfilm ist seiner restlosen technischen Vollendung nahe.«
Gegen diese Einschätzung der »Licht-Bild-Bühne«, daß der 3. Feber
1930 ein Meilenstein in der deutschen Tonfilmindustrie, der Durch-
bruch der deutschen Tobis-Technik sei46 und die »Mobilmachung
Richard Taubers für den Film«47 der deutschen Tonaufzeichnungs- und
Wiedergabetechnik den Sieg vor der US-amerikanischen errungen habe,
wurde reger Widerspruch laut. Während der Musikreferent der LBB
festgestellt haben will, daß »keinerlei Frequenzübersteigerungen, keiner-
lei Verzerrungen […] das akustische Bild« beeinträchtige und eine
»wohltemperierte Dynamik […] Geräusch, Rede und Klang in den
Ablauf der Bilder fließen« lasse,48 zieht der »Film-Kurier« noch Ende
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Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter Schübler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien