Page - 295 - in Anton Kuh - Biographie
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derten Landsleuten unterstreiche er »das Österreichertum im Stoff und
in der Perspektive« seiner Aufsätze, statt es
– wie diese
– zu verstecken.
Geradezu ins Gegenteil verkehrt seien die aus dem Zusammenhang
gerissenen Zitate aus dem Vorwort, das doch für den unbefangenen
Leser unmißverständlich klarlege: »Die Geschichte hat Österreich aus-
radiert – aber es lebt untilgbar in uns fort; und gerade jene unter uns
(den Autor inbegriffen), die früher nur in schimpfender, höhnender
Notwehr gegen den Staat leben konnten, […] gehen heute […] mit einer
Wunde im Herzen herum, sie suchen mit ihrer Seele immerfort die
Vergangenheit. Da diese nun unwiederbringlich dahin ist, sollen alle
Menschen, das Gute und Bleibend-Humane dieses Begriffs erkennend,
auf ihre Art sich in Österreicher verwandeln.« Wie könne nur man den
Abschnitt des Vorworts, worin er Bilanz zieht, was Österreich heute
der Welt bedeute, als des Autors Überzeugung lesen, der doch gerade
diesen Grabspruch nicht hinzunehmen bereit ist und unzweideutig
antritt, diese Einwände zu entkräften?! »Österreich?
… Wer will davon
etwas wissen?
… Für die Neue Welt ist es ein alter Film, für die Alte ein
Operettenrefrain, für Mitteleuropa eine Sorge, für Westeuropa eine Last,
für die Literatur eine Schmutzkonkurrenz, für Deutschland ein Belang,
für die Wiener ein Kerker, für die Berliner ein Diminutiv, für die Ent-
wischten ein Steckbrief, für die Weltgeschichte ein Albdruck, für die
Buchhändler ein rotes Tuch – und für alle zusammen: eine Entbehr-
lichkeit.«4 Wie könne man nur über Passagen hinweglesen wie »Der
Mensch ist Österreicher!«
– die Umkehrung des »landesüblichen Aus-
spruch[s]: ›Der Österreicher is a Mensch!‹« – oder »Ich glaube an das
A. E. I. O. U. Kaiser Maximilians5«!?6
Was der Rezensent in einer Duplik aufgreift, um sich »als guter
Ungar« zu fragen, wie jemand, der behauptet, »mit ›blutendem Herzen‹«
an das A. E. I. O. U. Kaiser Maximilians zu denken, auf Seite 93 dazu
komme, unter dieses A. E. I. O. U. »vier andere Buchstaben zu setzen,
die eine grobe Beschimpfung sind«.* »Daß Anton Kuh in seinem Buch
diese klassische Aufforderung oft, und zwar in allen Tonarten wieder-
holt, machte und mache ich ihm ebenso zum Vorwurf wie seine groben
Ausfälle gegen Österreich.« Ein begabter Schriftsteller wie Kuh brauche
* Neben der Beschwörungsformel für Österreich: A. E. I. O. U., Austria erit
in orbe ultima, als »Stimme der Vergangenheit« standen der Impression aus
den Umsturztagen des Oktober 1918 »1000 Jahre und 1 Tag« als »Stimme
der Gegenwart« die vier Buchstaben »L. M. I. A.!« als Motto voran. – Wo-
für sie stehen, erhellt ein Blick auf die Schlußzeile der davor placierten
Szene »Lärm vor dem Hause«; die lautet: »I eahm in Oarsch lecken!?«
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book Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter Schübler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien