Page - 296 - in Anton Kuh - Biographie
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doch »nicht mit den Wölfen, um nicht zu sagen Ferkeln, aus den Drei-
Groschen-Opern zu heulen«.7
Für die »altösterreichische Formel des Patriotismus« hat bereits drei-
zehn Jahre nach dem Ende Altösterreichs weder ein »guter Ungar« noch
gar ein guter »Neo-Österreicher« Verständnis: Auch die christlich-
soziale »Reichspost« erregt sich über die »geschmacklosen Schilderun-
gen der Monologe von Besoffenen, die es nicht nur in Österreich gibt«,
und ist vollends darüber empört, wie Kuh »selbst die allen Österrei-
chern noch immer ehrwürdige Gestalt des Kaisers Franz Josef ins Lä-
cherliche zu ziehen« suche. Das sei alles »unösterreichisch« und ein
Schlag ins Gesicht des »sprichwörtlichen Taktgefühls und der Liebens-
würdigkeit des Österreichers«.8 Und dann auch noch, Gipfel der Ge-
schmacklosigkeit, »Lärm vor dem Hause«, jene ingrimmigen Variationen
über das Götz-Zitat für eine allmählich in der Ferne verklingende Ba-
riton-Solostimme: »Mir ’s Lecken haßen!
… Do kennt der Kaiser kom-
men, leck i net
… Lecken S’ Ihna selber in Oarsch, wenn S’ an Oarsch-
lecker brauchen … So schen kann Ihna Oarsch gar net sein, daß i ’n
leck
…«9
Daß man ausgerechnet auf diese »Kanonade der Ungeniertheit«10, die
ihm, Kuh, die Unsterblichkeit sichern werde, derart vergrätzt reagiert,
belegt nur seinen Befund, daß der »arme Kleinstaat an der Donau, dem
die Geschichte den stolzen Namen hinterließ«, dabei ist, zu einer
»Schweiz der Komfortlosigkeit« zu verkommen.11
Und er fürchtet bei der Entwicklung, die die Dinge nehmen, den
Verlust des »letzten schönen Anrechts, das den Österreichern aus der
Vergangenheit verblieb: nämlich ihr Bekenntnis zum Staat in einem
Seufzer mitteilen zu dürfen, der über die Unerwünschtheit seines Be-
stehens keinen Zweifel läßt. Das war die gute, altösterreichische Formel
des Patriotismus«, die in Franz Stelzhamers Versen »Ein Österreicher
bin i / Aus’m Österreicher Land / Das is zwar kein Unglück / Aber
doch is’s a Schand«12 ihre »eigentliche Volkshymne« fand. »Die Selbst-
verkleinerung und Staatsresignation war die Quelle des österreichischen
Volksbewußtseins.« Und Kuh erinnert sich schmunzelnd des sozial-
demokratischen Abgeordneten Engelbert Pernerstorfer, »wie er in einer
Reichsratssitzung des Jahres 1917 unter schallender Heiterkeit des Hau-
ses den Satz sprach: […] ›Wer ein richtiger österreichischer Patriot ist,
ist mindestens einmal in seinem Leben Hochverräter gewesen!‹«13
Das war einmal gewesen. Nun weht ein anderer Wind. Pennäler-
scherze wie die Übersetzung des habsburgischen Wahlspruchs
A. E. I. O. U. mit »Österreich ist weit und breit das Letzte« verkniff man
sich jetzt besser. »Im Gefolge des Dalles marschiert wie so oft das Na-
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Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter Schübler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien