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Anton Kuh - Biographie
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335 »Als Bosel noch der große Bosel war, saßen in seinem Vorzimmer Morgen für Morgen: Minister, Konzernchefs, Bankpräsidenten. ›Sie können mir‹, sagt Kuh eines Tages, als er vor Bosels Schreibtisch steht, ›ein Geschenk machen, das für mich viele Tausende wert ist, ohne daß es Sie einen Heller kostet!‹ ›Was ist das?‹ ›Draußen im Vorzimmer sitzt die ganze Haute Finance. Wenn Sie mit mir jetzt freundschaftlich eingehängt hinausgehen und mich zur Tür begleiten  – habe ich bei allen, die dort warten, Kredit.‹ Bosel lächelt, der Spaß gefällt ihm, er nimmt Kuhs Arm, begleitet seinen Gast ins Vorzimmer, bis zur Ausgangstür. Dort dreht sich Kuh um und ruft vor der wartenden Corona: ›Ja  – und wenn du wieder etwas brauchst, Sigi, brauchst du mir nur zu telephonieren!‹«5 Kuh bedient immer wieder selbstironisch das Klischee, etwa wenn er im Juni 1930 in der »Münchner Illustrierten Presse« der Frage »Ist das Pumpen noch in Mode?« nachgeht und ihm zwar der Untertitel »Aus eigener Werkstatt« angebracht erscheint, auf den er jedoch verzichtet, weil man »in eine akademische Abhandlung niemals selbstbiographische Farben mischen« soll: »der Ernst geht sonst flöten und man verliert für sein Thema beim Leser das, was zum erfolgreichen Pumpen gehört: den Kredit.«6 Der schnorrende Kuh ist eine dermaßen notorische Figur, daß, wenn das »Argentinische Tagblatt« im Juli 1935 von einem deutschsprachigen Journalisten in London berichtet, der unversehens »schnorrstracks« nach Prag aufgebrochen sei, kein Zweifel bestehen kann, wer damit ge- meint ist.7 Befürchten doch sogar Romanfiguren, von Kuh angepumpt zu werden. Josef Löbel, das Urbild des Doktor Skowronnek, Badearzt in Franzensbad in Joseph Roths »Radetzkymarsch«, bedankt sich in einem offenen Brief beim Autor für die sympathische Figur, die dieser nach seinem Bild geformt hat, stolz darauf, »mit einem der besten Romane in die Literaturgeschichte zu kommen«  – und schließt mit der Bitte: »Könnten Sie in der fünfzigsten Auflage, die jetzt wohl erscheinen muß, nicht den Zug streichen, daß ich so leicht anzupumpen sei? Sie täten mir damit wirklich einen großen Gefallen. Denken Sie doch nur, wie sich so etwas auf unseren gemeinsamen Freund Anton Kuh auswirken muß!«8 Mal als netter Jux  – wie hier  –, zumeist ulkig, wird das Thema bis- weilen auch galgenhumorig gespielt: »Eine Hakenkreuzler-Zeitung hatte geschrieben, man werde ihn ›am Tag der Abrechnung schon zu finden wissen‹.
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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