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Anton Kuh - Biographie
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349 ihren Ausdruck  – darunter die von 1922 bis 1935 in sechzehn Auflagen erschienene »Rassenkunde des deutschen Volkes«, eine »Porträtgalerie«, die den Adel der nordischen Rasse beschwor,15 sowie 1930 auch eine »Rassenkunde des jüdischen Volkes«.16 Der Popularisierung der neuen Parawissenschaft »Rassenkunde« war durch die weitverbreiteten Kennt- nisse für den physiognomischen Hausgebrauch der Weg bereitet. Ebenfalls 1929 erschien »Deutschland, Deutschland über alles« von Kurt Tucholsky und John Heartfield, eine Art satirische »Nationale Porträtgalerie« von links, die indessen aus dem zum Allgemeingut ge- wordenen physiognomischen Fundus an Vorurteilen schöpfte  – wenn auch in der Absicht, den »deutschen Charakterkopf« gründlich zu des- avouieren. Da hatte das Projekt der »Nationalen Porträtgalerie« bereits eine »biologische Version in der Gestalt der ›Sippenforschung‹ erhal- ten«,17 die geradewegs in Unternehmungen der physischen Auslese mündeten: einerseits zur Elitenzüchtung in Einrichtungen wie »Lebens- born e. V.« und die »Stiftung Ahnenerbe«, andererseits zur Ausmerzung des »Untermenschentums«. Wohin der Weg führen würde, zum Erkennen von Unterschieden zwischen sogenannten »arischen« und »nichtarischen« Menschen näm- lich, hatte Walter Benjamin in seinen Betrachtungen zu einem ersten Auszug von August Sanders großangelegter photographischer Doku- mentation der Deutschen unter dem Titel »Antlitz der Zeit. Sechzig Aufnahmen deutscher Menschen des 20. Jahrhunderts« (1929), klar- sichtig diagnostiziert: Er hat ihr in seiner »Kleinen Geschichte der Photographie« 1931, das Unheil ahnend, attestiert, ihr könnte über Nacht »eine unvermutete Aktualität zuwachsen«: »Machtverschiebun- gen, wie sie bei uns fällig geworden sind, pflegen die Ausbildung, Schärfung der physiognomischen Auffassung zur vitalen Notwendig- keit werden zu lassen. Man mag von rechts kommen oder von links  – man wird sich daran gewöhnen müssen, darauf angesehen zu werden, woher man kommt. Man wird es, seinerseits, den andern anzusehen haben. Sanders Werk ist mehr als ein Bildbuch: ein Übungsatlas.«18 Anton Kuh ist bekennender Physiognomiker. Das zu erweisen, bräuchte es den Nachweis der auffälligen Häufigkeit von »physiogno- misch« und »Physiognomik« in seinem Werk nicht. »Eine Art von Kultur- und Landschaftsphysiognomik«19 nennt er etwa seine Streifzüge durch das hochsommerliche Wien des Jahres 1916; einem »physiogno- mischem Verhör« unterzieht er 1918 als Gerichtssaalkiebitz den An- geklagten in einem Mordprozeß, den er dazu beglückwünscht, daß die Geschworenen nicht wissen, »wer Lavater war und was Physiognomik ist«, er habe nämlich »ein veritables Verbrechergesicht«20; als obersten
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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