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Tatsächlich liegt in der Gewalt dieser dialektischen Suada etwas wie ein
Hauch antiker Gestaltung, ein prometheisches Feuer, vielleicht nur
Feuerwerk, das doch vom Himmel gestohlen ist. Anton Kuh
– noch nie
so in Form wie gestern
– hielt sein Publikum, das den Uraniasaal bis rings
um das Podium füllte, zwei Stunden in atemloser Spannung. Man spürte
förmlich, wie diese blendend produzierte Magie des Wortes auch dort
einwirkt, wo es fast unmöglich scheint, daß die Hörer den Vortragenden
sachlich und gedanklich begleiten können. Der Beifall war groß.«18
Gerade noch vor dem Feierlichkeiten-Rummel zum runden Todes-
tag des »größten Sohnes der Stadt«19 trifft Anton Kuh zu einer Nacht-
vorstellung im Neuen Theater in Frankfurt am Main ein – um nicht
über Goethe zu sprechen, sondern über die notorische Frage »Warum
haben wir kein Geld?«. Nicht nur Sachverständigkeit und Street
credibility attestiert die lokale Presse dem Vortragenden, die-
sem »Prototyp des Kein-Geld-Habens« mit seinem »mit den
Insignien der gestorbenen Bohème gezeichneten Äußeren«,
sondern auch Unterhaltungswert: Geradezu überfüttert »mit
Geistreichigkeiten und stilistischen Pointen« sei die »höchst
amüsante« Stegreif-Rede gewesen, aus der man die Erkenntnis
des Vortragenden habe mit nach Hause nehmen können, daß
die Beschäftigung mit Ziffern und Zahlen »im Zeitalter geistiger Ver-
nebelung […] eine hervorragend geistige Beschäftigung« sei.20
Ganz »›dernier cri‹«, habe Kuh in seinem Frankfurter Vortrag, »auch
noch das Judentum« angegriffen ist einer stramm völkischen Disserta-
tion zum Goethe-Jahr zu entnehmen, die in einer Presseschau die ein-
schlägige Berichterstattung einzelner Zeitungen sowie deren Blattlinie
referiert. Unter anderem jene des »Berliner Tageblatts«: »Am 10. Mai ein
ca. 60 Zeilen langer Artikel von Anton Kuh an bevorzugter Stelle. Kuh
spricht Karl von Ossietzky aus Anlaß des Antritts seiner Gefängnishaft
die Sympathie aller Intellektuellen aus. Zur Charakteristik dieses abson-
derlichen Zusammenfindens von ›Berliner Tageblatt‹, Anton Kuh und
Karl von Ossietzky müssen wir uns die soziologische Stellung dieser
beiden Schriftsteller vor Augen führen. Ossietzky, der Herausgeber der
intellektuell-kommunistischen Zeitschrift ›Die Weltbühne‹, und Anton
Kuh, der Edelbohemien Wiener und Prager Stils, der in seinen Schriften,
Reden und Gedichten so ziemlich alles mit einer unendlichen jüdischen
Rabulistik angreift. […] / In seinem Artikel ist der letzte Satz wie folgt:
›Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, daß sich jeder Anständige unter den
Schreibenden im Geiste mit Ihnen heute eingesperrt fühlt.‹«21
Carl von Ossietzky tritt am 10. Mai 1932 eine achtzehnmonatige
Kerkerstrafe an. In einem kleinen Wäldchen nahe dem Gefängnis Tegel
Frankfurt am
Main,
Neues Theater,
30.4.1932,
22.30 Uhr:
»Warum haben
wir kein
Geld?« –
Von Kant
bis Kreuger
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book Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter Schübler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien