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Anton Kuh - Biographie
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362 Tatsächlich liegt in der Gewalt dieser dialektischen Suada etwas wie ein Hauch antiker Gestaltung, ein prometheisches Feuer, vielleicht nur Feuerwerk, das doch vom Himmel gestohlen ist. Anton Kuh  – noch nie so in Form wie gestern  – hielt sein Publikum, das den Uraniasaal bis rings um das Podium füllte, zwei Stunden in atemloser Spannung. Man spürte förmlich, wie diese blendend produzierte Magie des Wortes auch dort einwirkt, wo es fast unmöglich scheint, daß die Hörer den Vortragenden sachlich und gedanklich begleiten können. Der Beifall war groß.«18 Gerade noch vor dem Feierlichkeiten-Rummel zum runden Todes- tag des »größten Sohnes der Stadt«19 trifft Anton Kuh zu einer Nacht- vorstellung im Neuen Theater in Frankfurt am Main ein  – um nicht über Goethe zu sprechen, sondern über die notorische Frage »Warum haben wir kein Geld?«. Nicht nur Sachverständigkeit und Street credibility attestiert die lokale Presse dem Vortragenden, die- sem »Prototyp des Kein-Geld-Habens« mit seinem »mit den Insignien der gestorbenen Bohème gezeichneten Äußeren«, sondern auch Unterhaltungswert: Geradezu überfüttert »mit Geistreichigkeiten und stilistischen Pointen« sei die »höchst amüsante« Stegreif-Rede gewesen, aus der man die Erkenntnis des Vortragenden habe mit nach Hause nehmen können, daß die Beschäftigung mit Ziffern und Zahlen »im Zeitalter geistiger Ver- nebelung […] eine hervorragend geistige Beschäftigung« sei.20 Ganz »›dernier cri‹«, habe Kuh in seinem Frankfurter Vortrag, »auch noch das Judentum« angegriffen ist einer stramm völkischen Disserta- tion zum Goethe-Jahr zu entnehmen, die in einer Presseschau die ein- schlägige Berichterstattung einzelner Zeitungen sowie deren Blattlinie referiert. Unter anderem jene des »Berliner Tageblatts«: »Am 10. Mai ein ca. 60 Zeilen langer Artikel von Anton Kuh an bevorzugter Stelle. Kuh spricht Karl von Ossietzky aus Anlaß des Antritts seiner Gefängnishaft die Sympathie aller Intellektuellen aus. Zur Charakteristik dieses abson- derlichen Zusammenfindens von ›Berliner Tageblatt‹, Anton Kuh und Karl von Ossietzky müssen wir uns die soziologische Stellung dieser beiden Schriftsteller vor Augen führen. Ossietzky, der Herausgeber der intellektuell-kommunistischen Zeitschrift ›Die Weltbühne‹, und Anton Kuh, der Edelbohemien Wiener und Prager Stils, der in seinen Schriften, Reden und Gedichten so ziemlich alles mit einer unendlichen jüdischen Rabulistik angreift. […] / In seinem Artikel ist der letzte Satz wie folgt: ›Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, daß sich jeder Anständige unter den Schreibenden im Geiste mit Ihnen heute eingesperrt fühlt.‹«21 Carl von Ossietzky tritt am 10. Mai 1932 eine achtzehnmonatige Kerkerstrafe an. In einem kleinen Wäldchen nahe dem Gefängnis Tegel Frankfurt am Main, Neues Theater, 30.4.1932, 22.30 Uhr: »Warum haben wir kein Geld?« – Von Kant bis Kreuger
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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