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Anton Kuh - Biographie
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376 Ihr Patron sei Voltaire auf Schloß Ferney, der zwar, »wenn auch mit einigen Konzessionen an die Wahrheit«, ruhig in Paris hätte leben können. »Ferney, von ihm zur Hauptstadt Europas erhoben, war ihm lieber. Denn was ihm hier aus der Feder floß, war echt, tapfer, heiter. Von hier aus nur konnte er Weltbürger sein.« Als Voltaire sich nach dem Rencontre mit dem Prinzen Rohan, »der ihn durch seine SA-Kolonne verprügeln ließ«, unfreiwillig ein paar Jahre in England aufgehalten habe, habe er »ganz andere Sachen [geschrieben], teils zeitabgewandtere und verspieltere, teils bösere und stärker verklausulierte; Bitterkeit und Zeitvertreib. Er wäre, hätte er hier länger weilen müssen, bei einem Haar ein richtiger Emigrant geworden  – vielleicht mehr Rousseau als Vol- taire. / Erst in Ferney ist er Voltaire geworden. Und kehrte nach Paris nur heim, um sich begraben zu lassen  …«16 Das mochte in den Ohren jener Emigranten, deren Tag vom Kampf ums materielle Überleben ausgefüllt war, zynisch klingen und mag schon zu einem Zeitpunkt, da die Mittel der Hilfsfonds noch nicht im Schwin- den begriffen waren und die Teilnahme im Gastland sich noch nicht achselzuckend dünn gemacht hatte, jene Geflohenen und Vertriebenen seltsam angekommen sein, deren vordringlichste Sorge kaum einem gut durchlüfteten Gehirn gegolten haben kann. Ein rechtloser Emigrant, der der behördlichen Willkür des Gastlandes schutzlos ausgeliefert war  – ob von der Schreckstarre in lähmende Apathie, würgende Hoff- nungslosigkeit oder »lodernde herzwunde Bitterkeit«17 verfallen  –, mag auch die Analogie zu Voltaire als Verharmlosung empfunden haben: Das absolutistische Frankreich war nicht das staatsterroristische Deutsch- land des Jahres 1933. Einem »Emigranten in Permanenz«18 wie Anton Kuh, dem eine orts- feste Lebensweise fremd ist, kommt die Exil-Situation nicht schwer an. Harry Graf Kessler gegenüber äußert er am 6. Juni 1933 in Paris, »er habe alle Bande zwischen sich und Deutschland zerschnitten, jeden Gedanken, sich irgendwo oder irgendwie eine Tür zur Rückkehr offen- zuhalten, aufgegeben. Nur so, durch diesen restlosen Verzicht, könne man vermeiden[,] ›Emigrant‹ zu werden. Seine Verwurzelung im alten Deutschland bleibe, zum neuen kulturlosen, brutalen Hitler-Deutsch- land habe er garkeine inneren Beziehungen, wozu solle er sich solche einbilden oder fingieren?«19 Den geistlosen Manichäismus, der hinter den Bücherverbrennungen und Literatursäuberungen im NS-Staat steht20  – hie: »Heimatkunst«, da »Asphaltliteratur«  – und der »ungefähr der Einteilung der Menschen in gesunde und kranke Volksgenossen [entspricht], wobei die Gesunden die sind, die in Reih und Glied marschieren, der Autorität nicht lange
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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Anton Kuh