Page - 377 - in Anton Kuh - Biographie
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nachgrübeln und sich an Ganghofers würzigem Quell laben, während
als krank die gelten, welche die Neigung, dem Zusammenhang der Dinge
nachzuspüren und sich nach dem Sinn des Daseins zu fragen, nicht
unterdrücken können«, polt Kuh ähnlich dialektisch um: »Asphalt, der
die Wirklichkeit spiegelt, ist Natur, eine Scholle*, auf der der Dilettan-
tismus pflügt, unecht.«21
Daß man ihn den »Schollenlosen« zurechnet, findet Kuh durchaus
passend: »Franz Werfel erläuterte einmal den Unterschied zwischen
›konsekutiver Logik‹ und ›assoziativer Logik‹: diese finde man selt-
samerweise bei den Menschen, die mit dem Acker keinen Zusammen-
hang hätten, jene gehöre den Schollenverbundenen. Wenn das wahr
ist, dann kann ich die Leute verstehen, die meine Frechheit bodenlos
nennen.«22
Kaum drin (nämlich erstmals 1932),23 wird Kuh aus dem »Kürschner«
auch schon wieder rausexpediert, weil der Herausgeber in der 47. Auf-
lage (1934), die nach »Säuberung« nur mehr halb so umfangreich ist wie
die 46. Auflage (1932), die mit Hilfe des Reichsverbands Deutscher
Schriftsteller »gewissermaßen amtlichen Charakter« erhält, »den Er-
fordernissen des neuen Aufbruchs deutschen Lebens Rechnung« trägt.24
Daß er sich in der gegenüber der 9. Auflage (1928) »vollkommen neu
bearbeiteten« 10. Auflage von »Degeners Wer ist’s?« (1935), bei der
»infolge von Tod und aus anderen Gründen […] mehrere tausend
Biographien in Wegfall gekommen« sind,25 noch in der Pseudonymen-
liste findet,26 ist schlicht redationelle Schlamperei.
Anton Kuhs Name findet sich unter keinem der zahlreichen Aufrufe
»der Emigration«. Soweit bekannt, hält er sich auch jetzt abseits der
Institutionen: Sein Name findet sich nicht in den Mitgliederlisten über-
parteilicher Sammelbewegungen wie der »Zentralvereinigung öster-
reichischer Emigranten« (Mitglieder des Beirats: Sigmund Freud, Alfred
Polgar, Franz Werfel, Bertha Zuckerkandl-Széps) oder der »Liga für
das geistige Österreich« (»Ligue de l’Autriche vivante«) (u. a. von Jo-
seph Roth, Alfred Polgar und Franz Werfel gegründet).
* »Asphalt« und »Scholle«: polare Kampfbegriffe der politischen Rechten der
Weimarer Republik: »Asphalt« (etwa in den Worten »Asphaltliterat« und
»Asphaltpresse«) ist ein pejoratives Schlagwort für die »wurzellose« urbane
Moderne; »Scholle« steht für Heimat und die »im Volk verwurzelte«
»Blut-und-Boden«-Kultur.
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Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter Schübler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien