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Anton Kuh - Biographie
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380 Macht  – Geist, die Naivität und Dummheit des waffenscheuen Geistes ausläßt; über die Politik-Verachtung jener allzu intellektuellen Epoche, die dazu geführt hat, daß dieser nunmehr vogelfreie und verfemte Geist sich in die ohnmächtige Satire flüchten muß und sich »mit solchem Machiavellismus der Anspielung behelfen muß, wie ihn er selbst, der bewährte Aphoristiker des Antiphilistertums, übt«35; oder über die Herrschaft brutaler, geistloser Gewalt über eine entrechtete, sittlich und geistig in ohnmächtige Lethargie verfallene Menschheit; ob er die Sünde der Zeit anprangert: sich dem Ungeist anzupassen  – die Grund- these seiner Ausführungen ist stets dieselbe: Geist, dem  nicht der Wille zur Machtbewahrung innewohnt, ist Dummheit  – aber deshalb ist Dummheit, die sich eine Patronentasche umhängt, noch lange nicht Geist. Kuh gibt sich indessen keinen Illusionen darüber hin, was mit dem »Knüppel des gut zugepaßten, richtig hauenden Worts«36 gegen die Knüppel in den Händen der Nazi-Horden auszurichten sei. Anfang Juni ist Kuh in Paris, trifft dort mehrmals mit Harry Graf Kessler zusammen, der aus einem spätabendlichen Gespräch mit Xavier Marcu und Anton Kuh am 6. Juni in seinem Tagebuch festhält: »Marcu hält einen durch die Nazis provozierten Krieg spätestens in zwei Jahren für unvermeidlich. Sie würden ›nicht weiterkönnen‹ und dann lieber einen Krieg machen als verzichten. Auf meinen Einwand, dass Deutsch- land doch garnicht für einen Krieg gerüstet sei, erwiderte Marcu: er halte Deutschland für das einzige Land in Europa, das moralisch auf einen Krieg gerüstet sei, das einzige, das einen Krieg führen könne; was nicht heisse, dass es ihn gewinnen könne. Kuh sagte, auch er sei dieser Ansicht. Deutschland rieche ›morgig‹, Frankreich und die Tschecho- slowakei durchaus gestrig; Deutschland sei 20tes Jahrhundert, Frankreich neunzehntes. Ein Geruch von Fäulnis, von intellektueller Fäulnis, herr- sche in Prag u. Paris. Deutschland mit seiner ungeistigen Brutalität repräsentiere die neue Zeit. Den Nazis fehle nur ein ›Kopf‹, wenn sie einen ›Kopf‹ fänden, könnten sie das übrige Europa besiegen.« Ende Juni, Anfang Juli liefert er sich mit dem royalistischen Rechts- intellektuellen Léon Daudet im Pariser Magazin »LU« resp. in der »Action française« ein Scharmützel über die Indienstnahme Friedrich Nietzsches durch die Nationalsozialisten, die den Philosophen des »Übermenschentums« zu ihrem Hauspropheten gemacht und sich tax- frei zu seinen geistigen Erben erklärt hatten (wie er ja auch schon im Ersten Weltkrieg zum »Potsdam-Deutschen« verbogen worden war). Kuh entgegnet Daudet, der in einem Leitartikel eine direkte Linie von Nietzsche zu Hitler gezogen hatte,37 stellt dieses Mißverständnis als Testamentsfälschung hin und klar, daß Adolf Hitler allenfalls ein fal-
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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