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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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Vorzüge Billroths zu vereinen, die für die Uni- versität am wesentlichsten waren. Es kombi- niert den modernen, innovativen Chirurgen mit dem engagierten Hochschullehrer und betont zusätzlich auf subtile Weise durch die Hochre- lief-Zeichnung Billroths künstlerische Meister- schaft in seinem Beruf. Im Arkadenhof der Uni- versität Wien ehrte man so den verdienstvollen Professor mit einem Monument, das insbeson- dere seine akademischen Errungenschaften und seine Verdienste für die Lehre hervorhebt. Aber umgekehrt spiegelte dieses eindrucksvolle Denk- mal Billroths Ruhm zurück auf die Institution, an der er wirkte. Der Anblick der Denkmäler für verdienstvolle Professoren im Arkadenhof der Universität sollte den Besuchern einen Ein- druck des hohen Rangs der Universität vermit- teln und bei den Universitätsangehörigen den Ehrgeiz fördern, diesen ausgezeichneten Vor- gängern nachzufolgen. das billroth-standbild von 1944/1949 Im dritten Denkmal, das hier genauer bespro- chen werden soll, werden wiederum ganz andere Eigenschaften Billroths in den Vordergrund ge- rückt [Abb. 3 und 7]. Anlässlich des 50. Todesta- ges des Chirurgen wurde das Standbild im Feb- ruar 1944 feierlich im großen Hof des damaligen Allgemeinen Wiener Krankenhauses enthüllt. Zum Zeitpunkt der Enthüllung befand sich das „Großdeutsche Reich“ unter dem Regime der Na- tionalsozialisten im fünften Kriegsjahr, was sämt- liche Ressourcen, auch im Allgemeinen Wiener Krankenhaus, massiv verknappte.32 Daher weist die bisherige Forschung zu dem Denkmal im- mer darauf hin, dass das Werk zunächst nur in Gips ausgeführt werden konnte und erst im April 1949 in Marmor errichtet wurde.33 Die Tatsache selbst, dass während einer akuten Not an Heizma- terial, Verbandsmaterial, Glasfenstern und einer Vielzahl an anderen infrastrukturellen Ausstat- tungen überhaupt ein Denkmal errichtet wurde, wurde meines Erachtens bisher zu wenig hinter- fragt. Was versprachen sich die etablierten Kräfte von einem Standbild des seit 50 Jahren verstorbe- nen Chirurgen, das sie im Rahmen eines großen Medizinerkongresses mitten im Krieg enthüllten? Über die Planung des Denkmals sind nur wenige Fakten bekannt, da bisher im Archiv des Allgemeinen Krankenhauses keine diesbezügli- chen Dokumente gefunden wurden. Bereits im Jahr 1942 wurde der bereits im Austrofaschismus erfolgreiche Bildhauer Michael Drobil mit der Ausführung einer Statue beauftragt.34 Bemer- kenswert ist, dass die Herstellung der Marmor- statue nicht an den finanziellen Mitteln schei- terte, sondern an der Tatsache, dass der Marmor nicht lieferbar war.35 So wurde 1944 an Billroths 50. Todestag vorerst die in Gips modellierte Fas- sung des Standbildes von dem Chirurgen und späteren Rektor Wolfgang Denk enthüllt. Ein Foto dieser Gipsfigur ist zeitgleich in der Me- dizingeschichte des Chirurgen Leopold Schön- bauer publiziert worden.36 Schönbauer war 1939 Medicus in effigie 113 32 Wiener Stadt- und Landesarchiv, Direktionsakten des Allgemeinen Krankenhauses, M. Abt. 209 – AKH, B2 – Ak- tenindex 1944. 33 B. Grois, Das Allgemeine Krankenhaus in Wien und seine Geschichte, Wien 1965, S. 204; R. Burgstaller/ H. Posch, Zeitgenössische Kunst und Geschichte im Alten Allgemeinen Krankenhaus. Eine Dialogführung durch den Campus der Universität Wien, in: Update! Perspektiven der Zeitgeschichte (hrsg. von L. Erker et al.), Inns- bruck/Wien/Bozen 2010, S. 749. 34 Der exakte Vorgang der Beauftragung konnte bisher nicht archivalisch belegt werden, weder die Akten der Medizi- nischen Fakultät, des Senats noch des Allgemeinen Krankenhauses geben darüber Aufschluss. 35 Grois, Das Allgemeine Krankenhaus (zit. Anm. 33), S. 204. 36 Schönbauer, Das Medizinische Wien (zit. Anm. 27) (1944); L. Schönbauer, Das Medizinische Wien. Geschichte – Werden – Würdigung (überarbeitete Fassung), Wien 1947.
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Title
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Editor
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Publisher
Böhlau Verlag
Location
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Size
18.5 x 26.0 cm
Pages
428
Keywords
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
Categories
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