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anstaltung wird durch die zusätzliche Schlagzeile
„Blaschke überbrachte die Wünsche Baldur von
Schirachs“, also der anwesende Bürgermeister
und NSDAP-Mitglied Hanns Blaschke war vom
Gauleiter und Reichsstatthalter von Wien beauf-
tragt, die „hohe medizinische Schule Wiens“ zu
würdigen und „den Stolz dieser Stadt, das Werk
eines Billroth für sich in Anspruch nehmen zu
dürfen“, zu betonen.47
Der hohe Aufwand, der für die Gedenkta-
gung zu Billroths 50. Todestag betrieben wurde,
dient als Indiz für das große Vertrauen, das of-
fenbar nicht nur die Medizinische Fakultät, son-
dern auch die Führungsriege der ansässigen NS-
DAP in Billroth als Identifikationsfigur hatte.
So wird das Standbild in diesem letzten Artikel
im Völkischen Beobachter als das „Denkmal ei-
nes Siegers“ charakterisiert: „Das Standbild zeigt
Billroth im Ärztemantel, in einer Stellung, als
hätte er eben als Sieger über Leben und Tod ei-
ne Operation beendet, aufrechten Hauptes und
leuchtenden Blickes, die Hände zufrieden inein-
ander verschlungen.“48
Basierend auf einem publizierten Gespräch49
mit dem Bildhauer Drobil kam der Reporter des
Völkischen Beobachters zu der Interpretation, dass
es sich bei der Statue um eine Momentaufnahme
nach der Operation handelt. Doch die dynami-
sche Drehung der Skulptur weist meines Erach-
tens darauf hin, dass in diesem Fall nach der Ope-
ration gleichsam vor der Operation ist. Die Figur
blickt – noch während sie ihre Hände desinfiziert
von der vorangegangenen Operation – bereits
aufmerksam zur nächsten Aufgabe und scheint
dabei bereits einen Schritt nach vorn zu machen.
Ein kleinformatiger Konkurrenzentwurf für
das Denkmal von dem Bildhauer Karl Stemolak
unterstreicht, dass die Dynamik offenbar ganz
im Sinne der gewünschten Denkmalsintention war [Abb. 8]. Dieser Entwurf, der sich in der
Sammlung des Josephinums befindet,50 zeigt ei-
nen wuchtigen Billroth, der breitbeinig stehend
die Arme vor der Brust verschränkt. Statt eines
julia
rüdiger116
47 Ebd.
48 Ebd.
49 Volkszeitung, 15. Dezember 1943, S. 2.
50 Mein Dank für diese Informationen gilt dem Josephinum – Sammlungen der medizinischen Universität, nament-
lich Ruth Koblicek und der Leiterin Christiane Druml. Abb. 8: Karl Stemolak, Entwurf für die Denkmalstatue für
Theodor Billroth,1942, Josephinum, Medizinische Univer-
sität Wien.
Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Title
- Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Editor
- Ingeborg Schemper-Sparholz
- Martin Engel
- Andrea Mayr
- Julia Rüdiger
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- WIEN · KÖLN · WEIMAR
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20147-2
- Size
- 18.5 x 26.0 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
- Categories
- Geschichte Chroniken