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ist, wurde hervorgehoben und als Zeichen von
„ungewöhnlichem Mitgefühl“ und „wirklichem
Mitleid“ gedeutet.52 Und schließlich fasst der Au
tor Otto von Frisch zusammen, welchen Nut
zen die zeitgenössische Medizin aus diesem Por
trät Billroths ziehen kann: „Aber die Zähigkeit
seines von echter Menschenliebe geleiteten Wol
lens, seine Fähigkeit, die Ergebnisse seiner schar
fen Beobachtungen kritisch zu ordnen […], ließ
Billroth in seinem unermüdlichen Suchen Rich
tungen einschlagen, die uns als Wegweiser für
unsere moderne Chirurgie dienen können.“53
Der Bezug, den der Autor zwischen den wid
rigen Bedingungen zu Zeiten Billroths, als die ser noch nicht einmal über ein funktionierendes
antiseptisches Mittel verfügte und dennoch mit
so viel Eifer versuchte die Lage zu meistern, und
der zeitgenössischen Kriegssituation ist unver
kennbar. Der möglicherweise kriegsmüde Arzt
im unterversorgten Allgemeinen Krankenhaus
sollte durch das Vorbild Billroths neuen Mut
fassen und ebenfalls versuchen mit unermüd
lichem Eifer und echter Menschenliebe die me
dizinische Versorgung zu gewährleisten. In eben
diesem Sinne ist das Denkmal im Allgemeinen
Krankenhaus, das eben zu widrigsten Zeiten
dort errichtet wurde, zu verstehen.
Resümee
Der Vergleich dieser drei Denkmäler für den
Mediziner Theodor Billroth zeigt, dass jedes für
einen spezifischen Kontext konzeptioniert wur
de, um die institutionellen Denkmalsintentio
nen darzustellen. Im Aufstellungskontext Kran
kenhaus vor dem Rudolfinerhaus kann sich der
Bildhauer Zumbusch darauf verlassen, dass der
Dargestellte auch in Toga als Mediziner identifi
ziert wird. Im Rahmen des Arkadenhofs hinge
gen muss derselbe Künstler seinen Billroth ganz
explizit als Mediziner und Pionier der Antisepsis
auszeichnen, um ihn aus der großen Anzahl der
anderen Gelehrtendenkmäler herauszuheben.
Die besondere Dynamik des Billroth Standbilds
im Allgemeinen Krankenhaus wird wiederum
nur im zeithistorischen Kontext verständlich als
Versuch, die letzten Kräfte der kriegsmüden Ärz
te zu mobilisieren. Die Tatsache, dass heute vie
lerorts nur mehr das Nachkriegsdatum 1949 des
später ausgeführten Marmordenkmals genannt
wird, verzerrt die Wahrnehmung der ursprüng
lichen, durch NS Propaganda geprägten Denk
malsintention. Dies führt schließlich dazu, dass
ausgerechnet dieses Denkmal heutzutage zur Il lustration von Billroth Biografien verwendet
wird.
Einst als wertvolles Mittel der Memoria und
der politischen Einflussnahme geschätzt, verfügt
das Bildnis in effigie – einmal wirklich angese
hen – noch immer über ungeahnte kommuni
kative Kräfte. Umso wichtiger erscheint es mir,
Denkmäler auch heute in der kunsthistorischen
Forschung ernst zu nehmen, sie durch rezepti
onsästhetische sowie archivalische Forschung
hinsichtlich ihrer eigentlichen Denkmalsinten
tion zu analysieren und somit für die Betrachter
wieder lesbar zu machen.
Abbildungsnachweis: Abb. 1: Fotografie der Autorin;
Abb. 2: Institut für Kunstgeschichte der Univ. Wien,
R. Steyer/K. Pani, 2014; Abb. 3, 7: Institut für Kunstge
schichte der Univ. Wien, R. Steyer, 2011; Abb. 6: Institut
für Kunstgeschichte der Univ. Wien, A. Plankensteiner,
2013; Abb. 4: Österreichische Nationalbibliothek, Inv. Nr.
PORT_00000548_01; Abb. 5: Galerie Belvedere, Wien,
Inv. Nr. 796; Abb. 8: Ruth Koblizek, Josephinum, Medi
zinische Universität Wien; Abb. 9: Wiener Medizinische
Wochenschrift, Österreichische Nationalbibliothek.
Julia
RüdigeR118
52 Von FRisch, Billroth als Kriegschirurg (zit. Anm. 51), S. 27.
53 Ebenda, S. 30.
Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Title
- Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Editor
- Ingeborg Schemper-Sparholz
- Martin Engel
- Andrea Mayr
- Julia Rüdiger
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- WIEN · KÖLN · WEIMAR
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20147-2
- Size
- 18.5 x 26.0 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
- Categories
- Geschichte Chroniken