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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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in einen erkennbar angeregten Dialog eintreten zu lassen.12 (Abb. 5) Bleibt es bei diesem verein- zelten Beispiel eines gemeinsamen Pantheons, innert dessen der Nachgeborene auf denselben Altar wie sein Vorläufer und Vorbild erhoben wurde, so übernahm Vitruv doch gelegentlich das Patronat über das Werk eines späteren Ad- epten, der sich dann selbstverständlich auf ihn berief. So pochte der posthume Neuherausge- ber von Samuel Marolois’ (1572–1627) Perspec- tive auf die antike Architektenautorität, deren wiederum frei phantasierte Büste man zuoberst der Architektur des gestochenen Titelblattes in den üblicherweise frei belassenen Sprenggiebel platzierte.13 (Abb. 6) Von dort nimmt Vitruv die dankbaren Blickes bekundete Huldigung der ge- radezu überattribuierten Personifikationen jener Künste entgegen, die angeblich von ihm, als Ma- lerei in Wahrheit hingegen von Marolois, profi- tieren, für den Vitruv hier zu bürgen hat. Dies- mal ist die Seligsprechung unübersehbar, steht doch die Tabernakelarchitektur dem Hochaltar ähnlich frei im Inneren eines renaissancistischen (Sakral-)Raumes. Jenseits irdischer Leibesvergänglichkeit gilt das literarische Vermächtnis des Gelehrten als tendenziell ewiges des Geistes und seiner geern- teten Früchte, im Druckwerk als Denkmal stolz der Leserschaft kommender Generationen dar- gebracht. Im Lesen erweckt der Rezipient des- sen Verfasser zum Leben; entsprechend sind die dem Buch beigebundenen Bildnisse stets, doch keineswegs selbstverständlich, ad vivum; gleichzeitig bilden deren realexistierenden Büs- tenbildnisse zum Zeitpunkt der Bucherschei- nung noch lebender Autoren die rare Ausnah- me. Zur Ehre der Altäre – und mit Spätbarock und Frühklassizismus mehren sich szenische Ar- rangements mit zeremonieller Bekränzung sol- cher recht vivid wirkender Büsten über aufragen- den Sockeln – wird man in der Regel erst post Abb. 5: Claude Perrault und Joseph Moxon, The Theory and Practice of Architecture, 1703. The PorTable Scholar’S MonuMenT 241 12 C. Perrault, Abrégé des dix livres d’architecture de Vitruve, Paris 1674. Im Jahr zuvor hatte er die ausführliche Version publiziert: Les dix livres d’architecture de Vitruve. Corrigez et traduits nouvellement en François […], Paris 1673. – The Theory and Practice of Architecture, or Vitruvius and Vignola abridg’d. […], London 1703, Frontispiz (Kupferstich) von unbekanntem Künstler. 13 Samuel Maroloys deß weitberühmbten Mathematici und Ingenieurs Perspectiva. […], Amsterdam 1629, Titel (Kup- ferstich) von Isaeck van Aelst (erwähnt zwischen 1629 und 1663). Ebd. im selben Jahr eine Ausgabe in frz. Sprache. – Die noch auf Hans Vredemann de Vries (1527 – [nach] 1604) als Marolois’ Quelle verweisende Erstausgabe war 1619 in Amsterdam ohne Frontispiz erschienen.
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Title
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Editor
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Publisher
Böhlau Verlag
Location
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Size
18.5 x 26.0 cm
Pages
428
Keywords
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
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