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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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hier kommt der dem Anschein nach einzig be- legte Denkmalsturz in der Buchgraphik zur Aus- führung, indem nämlich Bertotti Scamozzi ohne erkennbare Notwendigkeit äußerer Art die Archi- tektur samt Sockelinschrift aus dem Frontispiz von Burlington geradezu penetrant exakt kopie- ren ließ – jedoch dessen Palladio-Büste à la inglese aus dem Tabernakel herausräumte und statt des- sen das Bildnis in modo italiano aufstellte! Wis- senschaftliche Kollegenkritik41 ist schlechterdings kaum radikaler zu veranschaulichen, selbst wenn dem Büstenkostüm das geknöpfte Wams und der Kragen britischen Manufakturfleißes verblieben. Was wären die Künste ohne ihre Samm- ler, ohne die ihr Werk Ordnenden und ohne die Kunstwissenschaftler?42 Der Beitrag schließt mit einem der jüngeren Begründer moderner Kunstwissenschaft, mit Johann Joachim Win- ckelmann (1717–1768). Acht Jahre nach dessen gewaltsamem Tode gab die Wiener Akademie seine Geschichte der Kunst des Alterthums her- aus.43 (Abb. 17) Der Titelkupfer breitet rings um das stark idealisierte Forscherbildnis Gegenstän- de der verschiedenen Denkmälerarten und Re- präsentanten jener historischen Hochkulturen Abb. 16: Ottavio Bertotti Scamozzi, Le terme dei Romani disegnate da Andrea Palladio, 1785. The PorTable Scholar’S MonuMenT 255 Bertotti Scamozzi giusta l’esemplare del Lord Co. di Burlingthon [sic] impresso in Londra l’anno 1732 [in Wirklich- keit 1730; Titel auch in frz.], Vicenza 1785, Frontispiz (Kupferstich) von Gaetano Testolini (erwähnt um 1770–1818). 41 Zur Kollegenkritik und Eigenwertschätzung: Giorgio Vasari (1511–1574) formulierte in 2. Ausgabe seiner Künstlervi- ten das eigene Bildnis größer denn das der gewürdigten Kollegen: Le vite de’ piu eccellenti pittori, scultori, e archi- tettori […], 2 Teile, Florenz 1568, Holzschnitt im 1. Teil vor dem Index. – Karel van Mander (1548–1606) ließ sich zwecks Eternitätssicherung seines Angedenkens durch Hendrik Goltzius (1558–1616 oder 1617) unter exakter Angabe seines Alters im – noch währenden! – Leben in Form einer Büste ad vivum darstellen: Het schilder-boeck […] door Karel van Mander schilder, Haarlem 1604, Kupferstich von Jan Pietersz. Saenredam (um 1565 oder um 1565/1566 – 1607), eingebunden nach dem Privileg. 42 Als Beispiel etwa der Kunsthändler und gelegentlich selbst als Kupferstecher wirkende Pierre-Jean Mariette (1694– 1774), als Graphiksammler zugleich Begründer einer systematischen Ordnung nach Schulen, im Katalog seiner Nachlaßversteigerung: Catalogue raisonné des différens objets de curiosités dans les sciences et arts, qui composoi- ent le cabinet de feu Mr Mariette […]. Par F. Basan, graveur, Paris 1775, Frontispiz (Kupferstich) gestochen von Pi- erre Philippe Choffard (1730–1809). – Noch zu Lebzeiten und inmitten seiner Sammlung Kaspar Friedrich Jencquel (Lebensdaten ungesichert) unter seinem Pseudonym Neickel als Begründer moderner Sammlungsordung: Museo- graphia oder Anleitung zum rechten Begriff und nützlicher Anlegung der Museorum, oder Raritäten-Kammern, […]. […] vermehret von D. Johann Kanold […], Leipzig/Breslau 1727, Frontispiz (Kupferstich) gestochen von Bartholomäus Strahowsky (erwähnt zwischen 1712 und 1759). 43 Johann Winkelmanns [sic] Geschichte der Kunst des Alterthums. Nach dem Tode des Verfassers herausgegeben und dem Fürsten Wenzel von Kaunitz-Rietberg gewidmet von der kaiserlichen königlichen Akademie der bildenden Künste, Wien 1776, Titel mit Kupferstich von L. Marck (oder March; nicht identifiziert).
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Title
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Editor
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Publisher
Böhlau Verlag
Location
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Size
18.5 x 26.0 cm
Pages
428
Keywords
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
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