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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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Gelehrsamkeit bzw. wissenschaftliche Verdiens- te sind nur eines von vielen möglichen Kriteri- en der Auswahl und des Zugangs. Das Projekt entwickelte sich zu einer Demonstration sozia- ler Vielfalt, indem nach und nach Leerstellen der erinnerungspolitischen Vergangenheit reflektiert und kompensiert wurden, unter anderem durch die Aufnahme von Professorinnen und anderen Frauen in die Gruppe der „Gießener Köpfe“. 2. Für die Erinnerung an Gelehrte und ih- re wissenschaftlichen Leistungen ist der biogra- fische Bezug zum Ort bzw. zur Stadt wesentlich. Aber es gibt unterschiedliche Arten und Inten- sitätsgrade von topografischer Gebundenheit. Neben Epitaph und Grabmal mit ihren radikal physischen Ortsbezügen existieren Straßenna- men, Gedenktafeln und ein Museum zur Er- innerung an Arbeits- und Wohnstätten Gieße- ner Professoren. Die heutigen, zumeist jüngeren Universitätsgebäude dienen als institutionelle Rahmung sowohl für schon länger bestehen- de und zu konservierende bzw. zu reaktivieren- de als auch für neu zu gestaltende Monumente der Gelehrtenmemoria. Jenseits davon existiert der innerstädtische Raum als ein Raum verdich- teter und stark frequentierter Öffentlichkeit, in dem sich die Stadt mittels Denkmälern, Büsten etc. darstellt und ihrer historischen Dimension versichert. Innerhalb dieser städtischen Erinne- rungskultur spielen ehemalige Gießener Gelehr- te, Studenten, Professorinnen und Professoren eine wichtige Rolle. Die Stadt präsentiert sich als eine traditionsbewusste Universitätsstadt, be- müht sich aber vor allem in jüngster Zeit um ei- ne Ausweitung des Gedenkspektrums über die Wissenschaften und ihre Klientel hinaus. 3. Jenseits von reinen Inschriften und Orts- bezeichnungen dominierte und dominiert bei der Gelehrtenmemoria die künstlerische Gat- tung des Porträts. Ob in ganzer Figur oder in halber, gemalt oder plastisch – der oder die Ge- lehrte wird vorzugsweise als leibhaftiges Indivi- duum erinnert, über Inschriften identifiziert und der Nachwelt überliefert. Bemerkenswert ist, dass die historisch jüngsten Porträts, nämlich die Folge der Rektoren- und Präsidentenbildnisse in der Universitätsaula und die „Gießener Köpfe“, als in Öl auf Leinwand gemalte Konterfeis und bronzene Büsten, auf ausgesprochen traditionel- le Konventionen und Formate der Gattung zu- rückgreifen. Vor dem Hintergrund stellt Erich F. Reuters abstraktes Röntgen-Denkmal von 1962, das es sich der ästhetischen Kompatibilität zeit- typischer Entwicklungen in der modernen Plas- tik mit naturwissenschaftlicher Erkenntnis ver- dankt, eine bemerkenswerte Ausnahme dar. Es bleibt zu resümieren, dass sich die Gelehr- tenmemoria zumindest in der Universitätsstadt Gießen nicht als ein Feld künstlerischer Expe- rimentierfreude und Innovation hervortut. Sie pflegt die Traditionen der Künste und der Ins- titutionen und lässt wenig erahnen von all den Neuerungen, für die Gelehrtheit, Wissenschaft und Universität auch stehen könnten. Abbildungsnachweis: Abb. 1, 2, 3, 4, 5: Gießen, Uni- versitätsarchiv; Abb. 6: Gießen, Universitätsarchiv, Foto: Elena Leussidis; Abb. 7: Magistrat der Universitätsstadt Gießen, Vermessungsamt – 35390 Gießen, Vervielfälti- gungsnr. 2/2015; Abb. 12, 13, 14, 15: Sigrid Ruby; Abb. 8: Wikipedia/Stefan Flöper; Hinweis auf Freigabe unter der „Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0“-Li- zenz; Abb. 9, 10, 11: Dagmar Klein. sigrid ruby 318 Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Title
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Editor
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Publisher
Böhlau Verlag
Location
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Size
18.5 x 26.0 cm
Pages
428
Keywords
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
Categories
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