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Auf die Tour! - Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
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190 Dieurbanen„Busentempel“alsMöglichkeitsräume –unvorteilhaften–Eigentümlichkeitendes„Eigenen“aufzudecken.Die„an- derenBöhmen“stereotypisiertder indirekt selbstals„böhmisch“entworfene CharakteralsarbeitsscheuunddenganzenTagessend.Wenzelundimersten StückSigigebensichzwaralsdasGegenteil aus,unterminierendasabermit ihremVerhalten.MitderAuseinandersetzungüberdenAfrikareisenden istdas StückzudemeinezeitgenössischeReferenzaufdieethnologischenVorträge, dievonPersonen,dieAfrikabereisthatten, indenStädtenEuropasgehalten wurden.MitkolonialistischemBlickaufden„fernenKontinent“berichteten sieüberdas„fremdeUnzivilisierte“.49WolltendieKünstler*innenalso imDar- stellendieserunterschiedlichenproblematischenDiskursedasPublikumdazu bringen, sichunddiealltäglichenStereotypezuhinterfragen? DasStückoperiertentlangeinesschmalenGradeseinerdoppeltenAbwer- tungundgelungenenSubversion.Zunächst scheintesdieGegenpositiondes Stereotypisierteneinzubringen,machtdieseaber imgleichenMomentauch lächerlich.DassubversivesPotentialentpupptsichabergerade indieserver- meintlichdoppeltenParodie.DennesverwendetStereotype,dievermutlich viele imPublikumebensovertraten.DieStereotypebildenfürdieKünstler*in- nendieBasisfüreinengemeinsamenErfahrungshorizontesmitdemPublikum. Diesenkönnensiedannsubversivnutzen. IndemsiedieStereotypealsnur in anderenerkennbarzeigen, treibensiedie imGebrauchderPauschalierung lie- gendeIgnoranzaufdieSpitze. InderPopularitätderStückezeigt sich,dassdie Künstler*innentrotzdemzumPublikum,dasdereigentlicheAdressatderIronie war,Empathieaufzubauenundes für ihreAnliegenzugewinnenvermochten. GenderundgesellschaftlicheNormen DieseStrategiewandtennichtnurdiemännlichenKollegen, sondernauchdie Soubrettenan.DasLiedDerReisekoffer reichtedieSoubretteRisaBastéalsTeil einer ihrerLiedersammlungen1902beiderZensurbehördeein. In ihmschil- derte siediePerspektiveeiner jungenReisenden.ZielundAusgangspunktder ReisederProtagonistin imStück istnichtweitervonBedeutungundkommen nur implizit inderErwähnungeinesBesuchsbeiderTantevor. ImFokusdes kurzenLiedesstehenvielmehreine jungeFrauunddasVersprechenanderen Tante.Siehatversprochen, siewerdeaufdemWegimFrauenabteil reisen,um keinesfalls inKontaktmitMännernzutreten.Daesallerdings ingemischten Abteilendochvielunterhaltsamersei,bricht siedasderTantegegebeneWort inderAnnahme,dieTantewerdeniedavonerfahren. 49 WieauchindenanderenStädtenwurdeninBudapest,NewYorkundWienimmerwieder Vorträgevon„Afrikareisenden“(dieteilsauchinTheatersälenstattfanden)angekündigt.Siehe zumBeispielPL,9.3.1894,7;NYC,2.11.1889,568oderNWJ,16.9.1897,12. © 2021 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H & Co. KG, Wien https://doi.org/10.7767/9783205211884 | CC BY 4.0
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Auf die Tour! Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
Zwischen Habsburgermonarchie und Amerika
Title
Auf die Tour!
Subtitle
Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
Author
Susanne Korbel
Publisher
Böhlau Verlag
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21188-4
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
272
Category
Kunst und Kultur
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