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Auf die Tour! - Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
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216 Dieurbanen„Busentempel“alsMöglichkeitsräume Florendin, die in den „Gossen“ von einemReb (jidd. Rabbi) aufgezogen wird,muss jederzeit fürmöglicheGeldgeber verfügbar sein.DieseArt des EinkommensrundumsexuelleGefälligkeiten fürMänner indenStraßenwird Dreh-undAngelpunkteinerDiskussionimStück,inFolgedererschließlichder StraßensängerindasRechtaufLiebeabgesprochenwird:Drei„edleDamen“, diezueinerTheateraufführungandieBowery,eineStraßenebenderWohn- undArbeitsstätteder jüdischenStraßensängerin,gekommensind,beobachten eineSzeneimtäglichenArbeitslebenvonFlorendin.SiesindüberdenUmstand entsetzt,dasssie fürGeldtanztundsingtundmitMännerninihremVerschlag verschwindet.DaraufhinbeginnensieeinGesprächmitderStraßensängerin. BesondersechauffierensichdieedlenDamendarüber,dassdieStraßensängerin eswagt,beieinemsolchenTreibenvonLiebezusingen: Florendin: noch eines soll ich singen? Ichweiß –das eine, einNeues,was abends alle meineVerehrerzuhören lieben. […] Tsipora[einDienstmädchenvonDonnaEstela/EsterdeShlomo]:Zu[singen]vonLiebe? Solldasheißendubistverliebt? Florendin:Ich?Undverliebt?Wiesolldaszusammenpassen?WerwirddasLiebenennen, voneinerarmenStraßensängerin,einerBettlerin,die ihrBrotdurchSingenundTanzen inderGasse verdient.Wenn ein jungerMannbesoffen ist […]Verliebt? Ichhahaha. DannkönntemaneineGeschichtevonmiralsNarrerzählen.[!]125 InweitererFolgedesGesprächssprechensiederStraßensängerin–letztlichwe- gen ihresMigrationshintergrundes–dasRechtaufLiebeab.Zurückkommend aufdiePraxisdesGender-Bendingserscheintbesondersspannend,dassgerade dieHauptrolleausderüblichenbreitenPraxisderGeschlechterbesetzungen hinausfiel.DieRegienotizsahvor,dassFlorendin tatsächlichvoneinerFrauver- körpertwerdensollte.DerAutorzielte somitaufeinebewussteHinterfragung derRolleder jüdischenMigrantin, ihrerTätigkeitalsStraßensängerin,einBild, dasengverbundenwarmit jenemderVolkssängerinunddasAssoziationen mitProstitutionwiederaufgriff.Verlagert indenneuenKontextderRolleund inZusammenhangmitdemFaktum,dassauchanderLowerEastSide„sex sells“weitverbreitetwar, trugdasStückzueinerDiskussiondesRollenbildes bei. DieGesprächssituationzwischendenedlenDamen,dieauchvonMännern verkörpertwerdenkonnten, stellt einebesondereAushandlungvonGeschlech- terverhältnissendar:SiediskutierenmitderStraßensängerinüberdasVerhalten 125 ThomashefskyBoris,Derbeshamedreshunterdererd,oder,dieYudisheshtrassenzengerin, P(Ms.Yid.20).NYPL,Dorot JewishDivision,TheaterCollection. © 2021 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H & Co. KG, Wien https://doi.org/10.7767/9783205211884 | CC BY 4.0
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Auf die Tour! Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
Zwischen Habsburgermonarchie und Amerika
Title
Auf die Tour!
Subtitle
Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
Author
Susanne Korbel
Publisher
Böhlau Verlag
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21188-4
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
272
Category
Kunst und Kultur
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