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Neue Mobilitätskonzepte und autonomes Fahren: Potenziale der
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41 Prozent. Apps werden von fast der Hälfte der Online-Nutzer (44 Prozent) auf unter-
schiedlichen Endgeräten genutzt [28].
Im verkehrlichen Kontext besonders beachtenswert ist die durch digitale Anwendungen
gegebene und durch mobile Endgeräte noch deutlich verstärkte Möglichkeit zur Reduzie-
rung von Planungshorizonten. Spontaneität in der Gestaltung der individuellen Mobilität
ist damit eine besonders wichtige Konnotation zum meistgebrauchten Begriff der „Flexi-
bilität“ als spezifischer Eigenschaft der neuen Mobilitätskonzepte. Entsprechend war das
mit der höchsten Zustimmung versehene Statement in einer im Jahr 2014 durchgeführten
Befragung von Car2Go-Nutzern: „Ich finde an Car2Go attraktiv, dass ich spontan ein Auto
nutzen kann, auch wenn ich ohne Auto unterwegs bin“ – 98 Prozent der Befragten stimmten
dieser Aussage zu (72 Prozent „trifft genau zu“, 26 Prozent „trifft eher zu“) (vgl. [15], S.20).
Damit wird auch der schnelle Erfolg des flexiblen Carsharing nachvollziehbar, das von der
(langen) Vorausplanung, wie sie beim konventionellen stationsbasierten Carsharing not-
wendig war, entbindet und zumindest mittelfristig auch dem privaten Pkw den bislang
geltenden Vorteil der permanenten Verfügbarkeit nehmen könnte (vgl. dazu auch [22],
S.64).
Insgesamt bedeutet dies, dass wohl kaum mit größeren Zugangshürden seitens der (po-
tenziellen) Nutzer zu rechnen ist, sofern künftige Mobilitätskonzepte an Praktiken an-
knüpfen, wie sie bereits heute geübt werden („geübt“ im wahrsten Sinne des Wortes;
s. analog dazu die EinĂĽbung der Interaktion zwischen Mensch und Computer bei der Fahr-
zeugnavigation Kap.3). Wenig wahrscheinlich, wenngleich immer wieder auch von
wissenschaftlicher Seite ins Feld gefĂĽhrt, erscheint allerdings die Umstellung der komplet-
ten Fahrzeugflotte auf Fahrzeuge, die als Sharing-Fahrzeuge oder als Fahrzeuge von Be-
treibern öffentlicher Verkehre unterwegs sind. Es gibt derzeit keinerlei Anzeichen dafür,
dass der private Pkw an Attraktivität verliert; laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) gab es zum
1. Januar 2014 einen neuen Höchststand beim Fahrzeugbestand in Deutschland. Der Pkw-
Bestand war zwischen 2013 und 2014 um rund 500.000 Fahrzeuge angewachsen und fĂĽgt
sich damit in einen längerfristigen Wachstumstrend ein [29].
9.5 Weiterentwicklung der neuen Mobilitätskonzepte
durch Automatisierung des Carsharing?
FĂĽr die Weiterentwicklung der vorhandenen Carsharing-Konzepte durch autonome Fahr-
zeuge gibt es eine Reihe von Varianten, die sich analog zu den in Kap. 2 abgebildeten
Anwendungsfällen – im Folgenden „Use-Cases“ – verhalten. Diese Varianten zielen auf
unterschiedliche NutzerbedĂĽrfnisse ab, die so auch heute schon adressiert werden, aller-
dings über den Selbstfahrer. Im Folgenden soll entlang der Use-Cases „Autonomes Valet-
Parken“, „Vollautomat mit Verfügbarkeitsfahrer“ und „Vehicle-on-Demand“ diskutiert
werden, welche Veränderungen Carsharing durch die Einflottung autonomer Fahrzeuge
erfahren wĂĽrde und welche Wirkungen fĂĽr den Nutzer sich davon erwarten lassen. Dabei
wird auch der Wettbewerb mit derzeit bestehenden Transportangeboten anzusprechen sein.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung