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1919.6
Neue Mobilitätskonzepte jenseits von Carsharing
Wird der Zu- und Abgang für die Hauptstrecke mit einem öffentlichen System durch-
geführt, gäbe es mittels des autonomen Fahrzeugs die Möglichkeit, wesentlich gezielter auf
die Nutzerbedürfnisse einzugehen. Die festen Routen und Abfahrtzeiten könnten entfallen;
vielmehr könnten Abholzeiten und Abholorte individuell vereinbart werden. Wahrschein-
lich würde eine größere Flotte kleiner und mittlerer Fahrzeuge für den Zu- und Abgang
eingesetzt; das kleinräumige System des öffentlichen Verkehrs würde zu einem System mit
einer Vielzahl von Sammeltaxis mit angepasster Kapazität. Trotz Automatisierung bliebe
die logistische Herausforderung enorm. Dazu kommt als wesentliche Voraussetzung für ein
Funktionieren des Systems, dass die Nutzer die Vereinbarungen mit dem Betreiber mit
hoher Zuverlässigkeit einhalten. Dies gälte insbesondere hinsichtlich der Abfahrtszeiten,
zumal dann, wenn auf den Hauptstrecken weiterhin von einem festen Fahrplan oder doch
zumindest einer Taktung auszugehen ist.
Eine solche Umgestaltung des Systems könnte auch Überlegungen zur Finanzierung
der Grundversorgung mit öffentlichem Verkehr neu beleben – einerseits in Richtung eines
Pay-as-you-drive, aber auch in Richtung eines pauschalisierten, über Steuern oder Abgaben
pro Kopf finanzierten Angebots an alle Einwohner, wie es für Städte immer wieder dis-
kutiert wird. Eine hohe Bediendichte auch in suburbanen und sogar ländlichen Räumen
würde eine flächendeckende Pauschalabgabe rechtfertigen und könnte dabei eine Maß-
nahme sein, mit der die Nutzung des privaten Pkw reduziert werden kann.
9.6.2 Individualisierung des öffentlichen Verkehrs
Die Individualisierung des öffentlichen Verkehrs durch autonome Fahrzeuge könnte dann
über die Aufhebung von im Fahrplan festgelegten Abfahrtszeiten und Routen hinausgehen,
wenn es tatsächlich zu einer Reduzierung der Fahrzeuggrößen – zumindest in bestimmten
Teilen des Bediengebietes – kommen würde. Damit würde sich die Möglichkeit eröffnen,
den Nutzern unterschiedliche Fahrzeugtypen und Fahrzeugausstattungen anzubieten, was
derzeit in einer eher rudimentären Form mit dem Angebot von 1. und 2. Klasse im öffent-
lichen Verkehr erfolgt, jedoch nur im Schienenverkehr tatsächlich umgesetzt ist.
Als ein möglicher Einstieg in eine solche Individualisierung des öffentlichen Verkehrs
lassen sich Werksbusse interpretieren, als neueres Beispiel sei hier der mit WLAN-Zugang
ausgestattete Google-Bus in und um San Francisco genannt, der Arbeitnehmer der Firma
zu ihrer Arbeitsstätte bringt. In diesem Fall trifft sich eine spezifische Community in einem
gemeinsamen Shuttle. Vergleichbare Konzepte, wenn auch in einer Vielfalt an weiteren
Spielarten, sind denkbar und erscheinen auf der Basis autonom fahrender Fahrzeuge be-
sonders attraktiv.
Parallel dazu ist – auch aus privater Initiative heraus – die Entwicklung neuer Car
Pooling-Konzepte denkbar, die einen Mix aus Gemeinschaftsbesitz und gemeinschaft-
licher, aber zeitweise auch individueller Nutzung eines Fahrzeugs darstellen könnten.
Heute beschränkt sich das Car Pooling im Wesentlichen auf die mittelfristig geplante
oder relativ kurzfristige Bildung von Mitfahrgemeinschaften, bei denen das Fahrzeug vom
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung