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Einführungsszenarien für höhergradig automatisierte
Straßenfahrzeuge198
10.1 Einleitung
Nach wie vor gehören Verkehrsunfälle zum alltäglichen Straßenbild, und die Statistiken
dokumentieren, dass es beispielsweise in den USA ca. 33.000 Todesopfer pro Jahr gibt [1];
in Deutschland sterben ca. 3300 Menschen pro Jahr im Straßenverkehr [2]. An dieser Stelle
verspricht die Fahrzeugautomatisierung, d. h. die zunehmende Übergabe der Fahraufgabe
vom Menschen an den Computer, eine deutliche Reduktion der Unfallzahlen und Unfall-
schwere. Darüber hinaus ermöglichen automatisierte Fahrzeuge auch eine bessere Koordi-
nation der individuell genutzten Fahrzeuge allgemein und damit eine effizientere, komfor-
tablere und sicherere Individualmobilität.
Dabei hat die Forschung und Entwicklung an automatisierten Fernstraßen und Fahr-
zeugen bereits eine über 50-jährige Historie, und es stellt sich die Frage, inwieweit die
Vision realistisch ist, dass der Mensch in naher Zukunft die Fahraufgabe vollständig an den
Computer übergeben kann. Dazu sind derzeit verschiedene Entwicklungsrichtungen zu
erkennen: Die etablierte Automobilindustrie arbeitet an der Weiterentwicklung sogenannter
Fahrerassistenzsysteme hin zum automatisierten Fahren; automobilfremde Technologie-
firmen in der IT-Branche begreifen das automatisierte Fahren als ein neues Geschäftsfeld
für ihre Kernprodukte; Firmenneugründungen drängen mit Hochtechnologie in den Be-
reich der automatisierten Individualmobilität. Bei tieferer Betrachtung wird deutlich, dass
die genannten Akteure unterschiedliche Stärken und Produktziele haben, letztlich aber doch
von derselben Motivation getrieben sind, nämlich die Individualmobilität sicherer, effi-
zienter und komfortabler zu gestalten. Der Vergleich dieser Entwicklungsrichtungen und
deren Akteure soll Inhalt dieses Beitrags sein.
Der Vergleich dieser Entwicklungsrichtungen wird als Einführungsszenarien betrachtet,
was eine Prognose dessen ist, wie sich die Einführung höhergradig automatisierter Fahr-
zeuge vollziehen könnte. Dabei handelt es sich vorwiegend um eine Extrapolation des
öffentlich bekannten Entwicklungsstandes automatisierter Fahrzeuge, fortgedacht unter
Berücksichtigung der Rahmenbedingungen aus Infrastruktur, Wirtschaft und Technik.
10.2 Begriffsbestimmung und Abgrenzung
Automatisierte Fahrzeuge oder, wie sie auch genannt werden, „autonome“, „fahrerlose“,
„selbst fahrende“ Fahrzeuge, werden derzeit weitverbreitet in der Öffentlichkeit diskutiert,
in Universitäten beforscht und in der Automobilindustrie entwickelt. In diesem Beitrag
richtet sich der Blick auf Straßenfahrzeuge, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Pkw
und gegebenenfalls auch Lkw. Schienengebundene oder Luft- bzw. Wasserfahrzeuge wer-
den nicht darunter verstanden.
Im Allgemeinen werden diese Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr betrieben, zur
Diskussion von Synergieeffekten werden allerdings auch Fahrzeuge in abgeschlossenen
Bereichen betrachtet, wie z. B. auf Firmengeländen oder auch in Freizeitparks und Fuß-
gängerzonen. Im Unterschied zum Einsatz im öffentlichen Straßenverkehr sind Einsatz-
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung