Page - (000213) - in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Image of the Page - (000213) -
Text of the Page - (000213) -
20110.3
Entwicklungstrends im automatisierten Fahren
überwachung zukommen, indem beispielsweise eine Taste während des gesamten Einpark-
vorganges zu betätigen ist, womit die Aufmerksamkeit und Verantwortung des Fahrers
signalisiert wird [8].
In der jüngeren Vergangenheit sind von verschiedenen Automobilherstellen Aussagen
gemacht worden, die das Jahr 2020 als Ziel für das „autonome“ Fahren ankündigen [9, 10,
11]. Da der Begriff „autonom“ nicht in Übereinstimmung mit den Definitionen wie bei-
spielsweise der SAE International oder anderen Organen verwendet wird, ist nicht mit
Sicherheit zu sagen, welcher Automatisierungsgrad mit diesen Ankündigungen referenziert
wird. Allerdings ist zu vermuten, dass die Funktionalität deutlich über die Teilautomatisie-
rung hinausgeht und unter Umständen sogar bis in den Bereich der Hochautomatisierung
vordringt. Das wäre dann ein Konzept, bei dem der Fahrer in speziell definierten Anwen-
dungsfällen und -gebieten nicht einmal mehr im Notfall die Fahraufgabe übernehmen
muss, vielmehr kann das System sämtliche Fahraufgaben einschließlich unvorhergesehe-
ner Situationen selbst ausführen.
Diese Ankündigungen, oft gepaart mit öffentlichen Konzeptvorstellungen höhergradig
automatisierter Fahrzeuge, zeigen auch, dass derzeit viele namhafte Automobilhersteller
und Systemlieferanten an Konzepten arbeiten, die die Evolution der Fahrerassistenz in
Richtung des höhergradig automatisierten Fahrens vorantreiben [10, 12, 13]. Dabei werden
die Fahrsicherheit entsprechend der eingangs beschriebenen Motivation für das automati-
sierte Fahren als oberstes Ziel und zusätzliche Effizienzsteigerung sowie Komfortgewinn
als weiterer Nutzen angeführt.
Über das Zieldatum 2020 hinaus ist eine Vorhersage allerdings kaum möglich. Auch
wenn einige Marktanalysten und auch mitunter Automobilfirmen die Vollautomatisierung
für 2025 in Aussicht stellen [12], so ist dies doch eher als ein möglicher Meilenstein in der
Evolution der Fahrerassistenz hin zum automatisierten Fahren zu sehen und sollte nicht als
eine gesicherte Aussage verstanden werden, wann bestimmte Systemumfänge und Funk-
tionen verfügbar sein werden. Derartige Projektionen sind wegen des recht langen Zeit-
horizonts mit Vorsicht zu genießen.
Bei einem evolutionären Einführungsszenario kann angenommen werden, dass es rela-
tiv lange dauern würde, bis ein signifikanter Anteil der Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen
höhergradig automatisiert ist, selbst wenn diese Fahrzeuge ab 2020 als Serienfahrzeuge
zum Verkauf stünden. So hat es in der Vergangenheit ca. 15–20 Jahre gedauert, bis ABS
oder ESP in allen neuen Fahrzeugen serienmäßig oder zumindest als Extraausstattung
verbaut wurden [14]. Da die Gesamtheit aller Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen sich nur
über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren weitestgehend erneuert [15], ist davon auszugehen,
dass unter der Annahme einer evolutionären Entwicklung in absehbarer Zukunft kaum zu
erwarten ist, dass ein Großteil der Fahrzeuge ohne Fahrerinteraktion betrieben wird. Damit
ist dieses Szenario ein langfristiger, aber vorhersehbarer Ansatz, besonders im Vergleich
zum nachfolgend beschriebenen Szenario.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung