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20910.4
Vergleichende Betrachtung der Szenarien
Seite können aber auch zusätzliche Problemstellungen auftreten, wie beispielsweise das
Ein-/Ausscheren aus dem Konvoi, das Überholen durch andere Fahrzeuge oder aber auch
die Einhaltung des gesetzlichen Mindestabstandes.
10.4.2 Technischer Vergleich
Aus dem systemischen Vergleich wurden bereits einige Unterschiede zwischen den Ein-
führungsszenarien deutlich, die auch unterschiedliche Anforderungen an die Zuverlässig-
keit oder genauer gesagt an die Vollständigkeit und Verfügbarkeit der erforderlichen Tech-
nologie betrachten. Da im Falle des evolutionären Szenarios der individuell genutzte Pkw
ohne zeitliche oder räumliche Einschränkung für jedermann verfügbar funktionieren muss,
ergeben sich daraus andere technische Anforderungen als wenn beispielsweise im transfor-
mativen Szenario ein vollautomatisiertes Fahrzeug nur in einem eng begrenzten Bereich
und von Betriebspersonal überwacht betrieben wird. Außerdem mögen die Stückzahlen der
betrachteten Fahrzeuge und damit Systemkomponenten sehr unterschiedlich sein, was
einen Einfluss auf die zum Einsatz kommende Technologie haben kann.
Damit kann verallgemeinernd für das evolutionäre Szenario festgestellt werden, dass
hier hochgradig ausfallsichere (d. h. redundant und mit Rückfallebenen versehene), war-
tungsarme (d. h. selbstkalibrierende und selbstüberwachende) und kostengünstige (d. h.
massenproduzierte) Komponenten als Sensoren und Prozessoren zum Einsatz kommen, die
ein Höchstmaß an Verfügbarkeit ermöglichen (s. Tab. 10.2). Für das transformative Szena-
rio dagegen sind hochgenaue und individuell konfigurierbare Spezialsysteme von Vorteil,
die ein Höchstmaß an Automatisierung schon zu einem frühen Einsatzzeitpunkt, wenn auch
mit höherem Infrastrukturaufwand, erlauben. Der spezielle Infrastrukturaufwand für das
transformative Szenario liegt in einem Kommunikationssystem, das einen koordinierten
und sicheren Betrieb vollautomatisierter Fahrzeuge erlaubt oder auch den Einsatz von
Wartungs- und Überwachungspersonal erfordert, das die Funktionssicherheit der Fahr-
zeuge durch regelmäßige und bedarfsgerechte Wartung gewährleistet.
Tab. 10.2 Qualitativer Vergleich der Systemanforderungen für die drei betrachteten Einführungs-
szenarien
Evolution Revolution Transformation
Ausfallsicherheit ++ ++ +
Präzision + ++ ++
Konfigurierbarkeit 0 + ++
Wartungsaufwand – + ++
Fernüberwachung – – + ++
Systemkosten – + ++
++ (hoch), + (signifikant), 0 (neutral), – (gering), – – (nicht zutreffend)
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung