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22911.3
Autonomes Fahren und Einfluss auf die Stadtstruktur
rend der Fahrt: Vormalige Fahrer können nun – beispielsweise – auf ihrem Laptop arbeiten,
essen, ein Buch lesen, einen Film anschauen oder Freunde anrufen [14]. Zum anderen
verändern sich die Zugangssituation und die Abgangssituation. Während der Pkw heut-
zutage entweder direkt vom Wohnort zum Zielort gefahren wird bzw. der Nutzer vor Fahrt-
antritt das Fahrzeug aufsucht und nach Fahrtende die Strecke vom Parkplatz/-ort zum
Ziel zurĂĽcklegt, wird unter dem Einfluss des autonomen Fahrens dieser Zu- und Abgangs-
weg durch einen Vor- bzw. Nachlauf des Fahrzeugs ersetzt. Der Fahrroboter manövriert
das Fahrzeug von der ursprĂĽnglichen Parkposition zum Ort des Halters/Nutzers und nach
Erreichen des Zielorts zu einer zugewiesenen Parkposition.
Die denkbaren Wirkungen bzw. Veränderungen durch den Einsatz eines autonomen
Fahrzeugs auf die Stadtstruktur umfassen zum einen den benötigten Parkraum für Fahr-
zeuge am Wohnort sowie am Zielort. Zum anderen wird eine Veränderung der Attraktivität
von Standorten als Wohnstandort von Haushalten erwartet, einen Attraktivitätswandel wird
es aber auch bei Standorten geben, die Ziele für alltägliche Aktivitäten wie Einkaufen
oder Freizeit sind. Hinzu kommt, dass sich mit dem Einsatz des autonomen Fahrzeugs der
Flächenbedarf für den fließenden Verkehr verändert. Auf diese drei Aspekte wird nachfol-
gend näher eingegangen.
11.3.1.1 Veränderung des benötigten Parkraums
Die zu erwartenden Veränderungen des Parkraumbedarfs für Fahrzeuge am Wohnort sind
insgesamt als gering einzuschätzen, unterscheiden sich allerdings abhängig von den Eigen-
schaften der Siedlungsstruktur. In Einfamilienhaus-Wohnsiedlungen, in denen sich der
Stellplatz auf dem Wohngrundstück befindet, ist keine Veränderung zu erwarten. Hier wird
der verfĂĽgbare Parkplatz lediglich durch ein anderes (autonomes) Fahrzeug belegt. In Ge-
bieten hoher Dichte, wie beispielsweise in innerstädtischen Bereichen, ist von der Entwick-
lung bzw. Entstehung von wohnquartiersbezogenen Parkzonen oder Sammelgaragen aus-
zugehen. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass das autonom parkende Fahrzeug
auch einen Platz im definierten Einzugsbereich des Wohnorts findet.
Weiterreichende Wirkungen auf den Parkraum durch den Einsatz autonomer Fahrzeuge
sind am Zielort eines Weges denkbar, der nicht der Wohnort des Nutzers ist. Dies betrifft
beispielsweise Einkaufswege, Wege zum Zweck der Erholung oder auch Arbeitswege.
Autonome Fahrzeuge wären in der Lage, die Passagiere am Zielort abzusetzen und sich
dann auf einem zugewiesenen Parkplatz oder auch in einer Sammelgarage eigenständig zu
parken. Auch hier ist davon auszugehen, dass die entsprechenden Parkraumkapazitäten
bereitgestellt werden, die dem Fahrzeug das Auffinden eines Parkplatzes sicher und ver-
lässlich ermöglichen. Diese Anwendung autonomen Fahrens, bei der das Fahrzeug den
Nutzer am Zielort absetzt und sich anschlieĂźend autonom parkt, dĂĽrfte einerseits mit einer
höheren Akzeptanz bei Nutzern einhergehen, bestimmte Ziele mit dem Pkw aufzusuchen.
Andererseits dĂĽrften sich erhebliche Effekte bezĂĽglich der Bereitstellung und Bewirt-
schaftung von Parkraum ergeben. Insbesondere in Gebieten hoher Nutzungsdichte ist
davon auszugehen, dass eine BĂĽndelung des Parkraumangebots in Form von Sammel-
garagen erfolgt.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung