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Autonomes Fahren und
Stadtstruktur234
sind Nutzungsänderungen zu erwarten, wie beispielsweise die Zunahme und Konzentra tion
von Dienstleistungs- und Einkaufsgelegenheiten an den Knoten.
Durch die weitreichende Umgestaltung des öffentlichen Verkehrssystems sind auch
Auswirkungen auf die komplementären ÖV-Infrastrukturen und -nutzungen denkbar. Ein
Umstieg von Nutzern vom eigenen Pkw auf ein autonomes Taxiangebot, welches mit einem
leistungsfähigen schienengebundenen Liniennetz verknüpft ist, würde das Passagierauf-
kommen auf diesen Strecken stärken und sehr wahrscheinlich Kapazitäts
anpassungen nach
sich ziehen müssen.
11.4 Wesentliche Treiber für die Entwicklung eines Verkehrs-
systems mit automatisierten Fahrzeugen in Städten
In den vorangegangenen Abschn. 11.2 und 11.3 wurden vorhandene Szenarien analysiert
und anhand unterschiedlicher Ausprägungen die Wirkungen eines durch autonomes Fahren
beeinflussten Verkehrssystems auf die Stadtstruktur diskutiert. Anknüpfend daran hinter-
fragt dieser Abschnitt, welche Einflussfaktoren besonders bedeutsam für die Entwicklung
eines Verkehrssystems mit automatisierten Fahrzeugen in Städten sein könnten.
Die Diskussion der Szenarien zeigt zunächst die herausragende Bedeutung technolo-
gischer Innovationen, in deren Zusammenhang autonomes Fahren eine zunehmende Rolle
im Verkehrssystem erlangt. Fortschritte und neue Entwicklungen im Bereich der Infor-
mations- und Kommunikationstechnologie, der elektronischen und digitalen Infrastruktur,
des Datenmanagements und der künstlichen Intelligenz sind wesentliche Treiber dieses
Trends, wobei die Automatisierung der Verkehrsmittel als Teil einer „umfassenderen“
Automatisierung von Prozessen in Städten gedeutet werden kann. Beispiele hierfür sind
die Automatisierung des Parkens oder des Energie- und Gebäudemanagements.
Damit einhergehend zeigt sich, welche hohen Erwartungen an die Steuerungskapazi-
täten des Staates mit der Entwicklung eines Verkehrssystems mit autonomen Fahrzeugen
verbunden sind. Der Staat kooperiert mit dem Privatsektor, um die erforderlichen Techno-
logien zu entwickeln. Er flankiert dies durch eine neue Gesetzgebung bezüglich Zulassung,
Haftungsrecht und Versicherungswesen sowie durch ein Akzeptanz schaffendes Konzept
zu den Themen Datenmanagement und Standardisierung von Daten.
Hinsichtlich der Akzeptanz autonomen Fahrens durch die Bevölkerung wird deutlich,
dass eine Reihe denkbarer Faktoren positiven Einfluss nehmen könnten. Zum einen ver-
bindet sich mit dem autonomen Fahren der gesellschaftliche Nutzen eines effizienteren und
umweltschonenderen Verkehrssystems. Zum anderen ist es durchaus vorstellbar, dass die
Akzeptanz von privaten Nutzern und wirtschaftlichen Akteuren aufgrund der individuellen
Vorteile für Lebensstil oder Handel in den kommenden Jahrzehnten steigen wird, insbe-
sondere unter Annahme einer sichtbaren Technologie- und Akzeptanzförderung durch den
Staat.
Ein weiterer Faktor, der die Automatisierung positiv beeinflussen dürfte, ist die Pers-
pektive einer kosteneffizienteren Nutzung und Aufwertung städtischen Raums. Ein Bei-
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung