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Autonomes Fahren und
Stadtstruktur236
11.5 Zusammenfassung und Ausblick
Das Kernanliegen dieses Beitrags ist es, mögliche stadtstrukturelle Entwicklungen unter
dem Einfluss eines Verkehrssystems mit autonomen Fahrzeugen auszuloten und abzuschät-
zen, in welcher Weise politische und ökonomische Rahmenbedingungen diese Entwicklun-
gen beeinflussen können. Auf Basis verfügbarer Szenarien bzw. Visionen zur „Stadt von
morgen“ und deren Vorstellungen bezüglich einer Integration von Verkehrssystemen mit
autonomen Fahrzeugen zeigt er auf, dass unterschiedliche Entwicklungen denkbar sind:
zum einen das autonome Privatfahrzeug, welches je nach Szenario „bordautonom“ durch
einen Autopiloten gesteuert wird oder durch Fahrzeug-Infrastruktur-Kommunikation in
den Verkehrsfluss eingebunden ist, oder zum anderen das autonome Fahren als integrierter
Teil des öffentlichen Verkehrsangebots.
Abhängig von diesen unterschiedlichen Ausprägungen haben autonome Verkehrsmittel
das Potenzial, das Verkehrssystem in ganz unterschiedlicher Weise zu verändern. Ihre
Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten werden auch Auswirkungen auf Entscheidungen
zur Entwicklung von Flächennutzungen und Raumstrukturen haben. Einflussbereiche um-
fassen beispielsweise den Bedarf und die Organisation des Parkens sowie die Attraktivität
von Räumen als Wohnstandort, Einkaufs- oder Arbeitsziel. Darüber hinaus haben auto-
nome Fahrzeuge das Potenzial, derzeit für Verkehrs- und Parkflächen genutzte Flächen in
andere Nutzungen (sei es fĂĽr andere verkehrliche Nutzungen wie Rad- oder FuĂźverkehr
oder aber bauliche Nutzungen) zu überführen. Welche Veränderungen sich konkret voll-
ziehen könnten, hängt dabei stark davon ab, in welche Richtung sich autonomes Fahren
entwickeln wird.
11.5.1 Aspekte in der Diskussion um automatisiertes Fahren
aus Sicht der Stadtentwicklung und Stadtplanung
Die Diskussion macht deutlich, dass eine Reihe möglicher Wirkungen autonomer Fahr-
zeuge auf Raumstrukturen existieren, die als Kriterien fĂĽr die Entscheidung des Besitzes
und der Nutzung autonomer Fahrzeuge relevant sind. Die Möglichkeit von Haushalten,
ihre „suburbanen“ Präferenzen leichter zu realisieren, ist ein Beispiel hierfür. Ent-
scheidungszusammenhänge zwischen längerfristigen (Standortwahl) und alltäglichen
Mobilitäts entscheidungen (Wahl von Zielen und Verkehrsmitteln) sollten in die Dis-
kussion um das autonome Fahren eingehen. Hinzu kommt, dass diesen individuellen
Kriterien relevante Aspekte gegenĂĽberstehen, die sich auf den gesellschaftlichen Nutzen
einer Automatisierung des Verkehrssystems beziehen. Dies betrifft beispielsweise die
Folgekosten fĂĽr die ErschlieĂźung neuer Siedlungsgebiete am Stadtrand als Folge ge-
änderter Attraktivität solcher Gebiete. Inwieweit sich diese Zusammenhänge mit der
Einführung autonomen Fahrens tatsächlich realisieren und wie die Folgen zu bewerten
sind, sollte verstanden und in der Diskussion um das automatisierte Fahren zwingend
werden.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung