Page - (000249) - in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Image of the Page - (000249) -
Text of the Page - (000249) -
23711.5
Zusammenfassung und Ausblick
Ein zweiter Aspekt betrifft die Erkenntnis, dass im Zuge der Veränderung des Verkehrs-
systems neben möglichen Änderungen von Flächennutzungen eine weitreichende Trans-
formation hin zu neuen Infrastrukturen und umgestalteten Verkehrsflächen denkbar ist.
Diese müssen die Entwicklungen der Fahrmuster und Verhalten von automatisierten Fahr-
zeugen und nicht automatisierten Fahrzeugen, aber auch andere Modi berücksichtigen. All
das ist eine langfristige Aufgabe. Denn Veränderungen der Raumstrukturen im Zuge auto-
nomen Fahrens sind erst dann zu erwarten, wenn die meisten Fahrzeuge auf der Straße
automatisiert sind. Hier sind viele Fragen noch offen. So besteht ein Bedarf zur Analyse,
wie autonomes Fahren die langfristigen Pläne zur Gestaltung von Parkflächen, Fahrrad-
spuren, Kreuzungen, Bürgersteigen, Querschnittsgestaltungen von Straßen etc. beein-
flussen könnte. Wesentlich für die Diskussion ist die Frage: Wie kann eine sukzes
sive
Transformation hin zu einem Verkehrssystem mit autonomen Fahrzeugen gestaltet werden,
und was sind überhaupt plausible Einführungsszenarien? Dabei wird nicht nur zu klären
sein, wie vorhandene Infrastrukturen graduell „umgebaut“ werden können, sondern wie
sich in diesem Zuge die derzeitige Bevorrechtigung und Rollen unterschiedlicher Modi und
Verkehrsmittel verändern. Wie beschrieben, ist es vorstellbar, dass mit der Zunahme auto-
nomer Fahrzeuge und der Einrichtung von speziellen Fahrspuren eine Entwicklung hin zu
einer stärkeren Funktionstrennung zwischen den verschiedenen Modi einhergeht. Auch
die Durchlässigkeit des Straßenraums für andere Verkehrsteilnehmer im Zuge eines dicht
fließenden Verkehrs mit autonomen Fahrzeugen dürfte bei dieser Entwicklung verändert
werden. Dies wirft die Frage auf, in welcher Form und wie gleichberechtigt die Nutzungs-
mischung unterschiedlicher Verkehrsmodi unter dem Einfluss autonomen Fahrens zukünf-
tig organisiert werden sollte.
Spätestens hier wird deutlich: Nicht nur Aspekte der Stadtentwicklung sind relevant für
die Diskussion um das autonome Fahren. Die Automatisierung des Verkehrssystems ist von
großer Relevanz für Stadtplanung und -entwicklung und die hierfür entwickelten Leitbilder
und Ziele. Inwieweit und unter welchen Voraussetzungen kann ein Verkehrssystem mit
autonomen Fahrzeugen zur Realisierung derzeit gültiger Modelle wie die dichte und kom-
pakte Stadt beitragen? Oder verknüpft sich damit die Aussicht auf die Rückkehr zur auto-
gerechten Stadt? In welcher Beziehung stehen städtebauliche Elemente zur Strukturierung
des autonomen Verkehrs zu den Anforderungen einer allenthalben propagierten Fußgän-
ger-, Rad-, und Bahnstadt? Bedarf es unter dem Einfluss des automatisierten Fahrens der
Formulierung grundlegend anderer bzw. neuer Leitbilder zur Entwicklung von Städten?
Die Diskussion um Antworten auf diese Fragen kann beginnen.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung