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24312.2
Kriterien der Verkehrsmittelwahl
12.2 Kriterien der Verkehrsmittelwahl
Die Frage, warum wir uns für bestimmte Verkehrsmittel entscheiden, ist Gegenstand einer
Vielzahl an Publikationen aus unterschiedlichsten Disziplinen. Einigkeit herrscht darüber,
dass dem menschlichen Verkehrsverhalten und der Verkehrsmittelwahl eine Vielzahl an
komplexen interdependenten Faktoren zugrunde liegt. Bühler (2011) folgend, lassen sich
diese in vier Gruppen unterteilen: (1) sozioökonomische und demografische Faktoren, (2)
kultureller Rahmen und individuelle Einstellungen, (3) Strukturen der Raumentwicklung
und (4) politische Regelungen [6]. Ortùzar und Willumsen (2005) nennen neben personen-
bezogenen Kriterien vor allem Eigenschaften der beabsichtigten Fahrt und nicht zuletzt
des Verkehrsangebotes bzw. der zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel als ausschlag-
gebend [24].
Von besonderer Bedeutung bei der Wahl des Verkehrsmittels ist die Frage nach dem
Zugang zu den Verkehrsmittelalternativen. Führerscheinbesitz, die individuelle Einkom-
menssituation und damit eng verbunden der Pkw-Besitz gelten als wichtige Determinanten
des Verhaltens. Substanzielle Investitionen wie die Anschaffung eines Pkw oder einer
Zeitkarte für den öffentlichen Verkehr wirken langfristig auf die Verkehrsmittelwahl [31].
Deutliche Unterschiede im Modalwahlverhalten lassen sich nach Geschlecht, Erwerbssta-
tus, Haushaltsgröße und -struktur aufzeigen; einen besonderen Einfluss hat das Vorhanden-
sein von Kindern im Haushalt [6], [24], [28]. Aber nicht nur objektiv messbare Kriterien
spielen eine wichtige Rolle: Individuelle persönliche Lebensumstände, der eigene Lebens-
stil, Einstellungen zu den verschiedenen Verkehrsmitteln und zum Unterwegssein an sich,
aber auch alltägliche Gewohnheiten und Routinen wirken auf die Entscheidung (vgl. [25],
[27], [29], [33]). Die deutliche Wirkung der verkehrlichen Sozialisierung sowie sozialer
und ökologischer Normen wird insbesondere bei lerntheoretischen, kognitiven und sozial-
psychologischen Ansätzen betont (vgl. [2], [12], [27]). Sie zeigen deutlich, dass die indivi-
duellen Entscheidungen in der Praxis dem Idealbild eines unabhängig und rational ent-
scheidenden Menschen oft nicht entsprechen.
Der Wohnstandort gilt als hauptsächlicher räumlicher Ankerpunkt der individuellen
Verkehrsentscheidungen. Die dort bestehenden Raumstrukturen wirken direkt auf die Er-
reichbarkeit der angestrebten Ziele und die für Mobilität erbrachten Aufwände ([6], [9],
[27], s. Kap. 11). So werden eine höhere Bevölkerungsdichte, eine starke Nutzungsmi-
schung sowie die Nähe zum öffentlichen Verkehr mit geringerer Pkw-Orientierung und
einer vermehrten Nutzung von Fuß und Rad in Verbindung gebracht; gleichzeitig treten
Staus, Parkplatzknappheit sowie höhere Parkkosten verstärkt in dicht besiedelten Gebieten
auf [6].
Die mit der Nutzung eines Verkehrsmittels einhergehenden finanziellen Kosten sind
nicht zuletzt direkte oder indirekte Folgen politischer Regulierungen: Kraftstoff- und
Haltungskosten, Maut- und Parkkosten beeinflussen die Bewertung des Pkw. Die zeitlichen
Aufwendungen, insbesondere im Vergleich mit dem Zeitaufwand, der für die Alternativ-
verkehrsmittel notwendig wäre, bilden ein weiteres wichtiges Wahlkriterium. Dabei gilt es,
zwischen der Zeit, die im Vor- und Nachlauf einer Nutzung anfällt, also beispielsweise für
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung