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25912.6
Autonome Fahrzeuge in der Nachfragemodellierung
sondern auch je nach Einstellungen und soziodemografischen Eigenschaften unterschei-
den. Neben den klassischen Attributen Geschlecht, Erwerbsstatus, Alter und Führerschein
zeigten sich je nach Nutzungsszenario vor allem die Haushaltsgröße, das Vorhandensein
von Kindern im Haushalt, das Bildungsniveau sowie das Haushaltseinkommen als rele-
vante Unterscheidungsfaktoren. Im Zuge einer Abbildung autonomer Fahrzeuge wäre hier
sicherlich eine Erweiterung der in den Modellen verwendeten Attribute zur Beschreibung
der Personen, vor allem aber auch des Haushaltskontextes zu diskutieren. Darüber hinaus
gilt auch hier, dass die Berücksichtigung von Einstellungsfaktoren wie die Haltung gegen-
über verschiedenen Verkehrsmitteln, Routinen oder auch zeitliche Eingebundenheit kaum
erfolgt.
Für die Verkehrsmittelwahl besonders relevante Personen- und Haushaltsattribute sind
der Besitz eines Führerscheins sowie der Zugang zu einem Pkw, in der Regel ausgedrückt
durch die Anzahl der Pkw im Haushalt oder auch die tatsächliche Verfügbarkeit am Stich-
tag der Verhaltenserhebung. In der makroskopischen Modellierung handelt es sich bei der
Pkw-Verfügbarkeit um das gängige Kriterium, anhand dessen die Nutzersegmentierung
vorgenommen und die Aufkommensraten bestimmt werden. Bei der Verkehrsmittelwahl
selbst wird dann von einer generellen Verfügbarkeit des Pkw ausgegangen. Mikroskopische
Verkehrsmodelle erlauben es, neben dem Führerscheinbesitz auch die Beschränkungen der
tatsächlichen Verfügbarkeit des Pkw zur Wahlsituation zu berücksichtigen – sei es durch
Nutzungskonkurrenz im Haushalt oder vor allem im Verlauf der Wegekette. Systeme wie
das Vehicle-on-Demand brechen diese Verfügbarkeitsbeschränkung systematisch auf –
diese Art von Pkw kann theoretisch jederzeit von jeder Person als neue Verkehrsmittel-
option gewählt werden. Ebenso wie bei der Abbildung von Carsharing-Systemen gilt es
hier also nicht zuletzt, die räumlichen und sozialen Kriterien der Pkw-Verfügbarkeit bei der
Modellierung zu überdenken.
Die Berücksichtigung von Raum- und Kontexteigenschaften sowie die Differenzierung
der möglichen Einsatzzwecke oder Wegezwecke waren in Abschn. 12.3.2 als weitere
Kriterien der Verkehrsmittelwahl in den Modellen aufgeführt worden. Insbesondere beim
Nutzungsszenario des Valet-Parkens erschließt sich intuitiv die hohe Bedeutung des Rau-
mes für die wahrgenommene Nützlichkeit der Option. Zwar ist der Detaillierungsgrad in
den Nachfragemodellen in der Regel hoch genug, um Aussagen über die Siedlungsstruktur,
die generelle Flächennutzungsstruktur oder auch die Bebauungsdichte treffen zu können.
Die Bebauungsstruktur – nicht zuletzt ausschlaggebend dafür, ob genügend oder gar pri-
vate Stellplätze vorhanden sind – ist in der Regel nicht abgebildet. Detaillierte Abbildungen
der Verfügbarkeit von Parkplätzen, des Parkdruckes oder auch der damit assoziierten Kos-
ten sowie der Zugangs- und Abgangszeiten stellen eine Seltenheit dar (s. Abschn. 12.3.2).
Für eine adäquate Abbildung des Valet-Parkens lässt sich hier generell Handlungsbedarf
feststellen.
Das Vehicle-on-Demand ist ebenfalls ein Beispiel, in dem die Raumstruktur maßgeblich
über die Nutzung und die Konkurrenzsituation zu bestehenden Verkehrsmittelangeboten
bestimmt wird. So gilt es im städtischen Raum vornehmlich als Alternative zum privaten
Pkw, dem Taxi oder dem öffentlichen Verkehr, im ländlichen Raum wird es vor allem als
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung