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27513.4
Vehicle-on-Demand
Uhr abzielt. Für dieses Ziel fallen die Zeiten für die Energiebereitstellung erheblich ins
Gewicht, da das Aufladen von Batterien zu einem deutlich größeren Nutzungsabfall führt
als das Nachtanken bei VKM-angetriebenen Fahrzeugen.
(Wasserstoff-)Brennstoffzellenantriebe werden durch Vehicle-on-Demand-Konzepte
eher leichter umzusetzen sein, da ein Dienstanbieter – eventuell auch im Verbund mit
weiteren Anbietern – die Tank-Infrastruktur besser in den Ablauf integrieren kann als her-
kömmliche Automobilnutzer. So können Abstellplätze (= Bereitschaftsplätze) und Wasser-
stofftankstellen sowohl örtlich als auch im Ablauf aufeinander abgestimmt werden. Auch
die Routen können von vornherein auf die Verbindung zwischen Wasserstofftankstellen
ausgelegt werden, sofern eine Füllung für den Mobilitätsdienst nicht ausreichen sollte.
Ferner lassen sich auch unvermeidbare Verflüchtigungsverluste, die im Stand bei Wasser-
stoffdrucktanks auftreten, weitgehend minimieren, da die Standzeiten beim Vehicle-on-
Demand bei wirtschaftlichem Betrieb sehr gering sein sollten. Trotz dieser Vorteile des
Vehicle-on-Demand-Konzepts für die (Wasserstoff-)Brennstoffzellen-Technologie müssen
sich beide Richtungen, also Vehicle-on-Demand sowie Wasserstoffantriebe unabhängig
voneinander den Marktzugang schaffen. Eine (Zwangs-)Kopplung dieser Technologien bei
Markteinführung verschlechtert die Chancen für beide, da dadurch nur eine Schnittmenge
der Nutzungsmöglichkeiten zu einem beschränkten Marktvolumen führt, das zu klein ist,
um für beide Technologien die Investitionen zu rechtfertigen.
13.4.3 Auswirkungen auf das Fahrwerk
Für die Kraftübertragung eines Vehicle-on-Demand werden weiterhin die Reifen zuständig
bleiben, da sich weder die Vor- noch die Nachteile alternativer Konzepte (z. B. Luftkissen/
Propeller, Magnetschwebeantrieb, Ketten) durch die Fahrzeugautomatisierung wesentlich
verschieben. Die Anforderungen an die Fahrdynamik werden sich ebenfalls kaum ändern,
und die Anforderungen an ein besonders sportliches Fahrwerk werden sich kaum im
Lastenheft des Vehicle-on-Demand wiederfinden. Die Verzögerungs- und Ausweichfähig-
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ringer ausfallen, auch wenn eine deutlich komfortablere Fahrzeugführung zu erwarten ist.
Allerdings besteht bei Vehicle-on-Demand die Möglichkeit, schon prädiktiv die Manöver
zu planen und dabei die Möglichkeiten der gegebenen Fahrdynamik optimal auszunutzen,
wodurch sich für das Fahrwerkkonzept neue Möglichkeiten ergeben können.
Neben den zwei in den nächsten Abschnitten diskutierten Aspekten der Radanordnung
und der Lenkkonzepte gelten insbesondere für Vehicle-on-Demand-Fahrzeuge, deren Ein-
satzzweck die Personenbeförderung auf längeren Strecken ist, die gleichen Überlegungen
zur Entkopplung von der Fahrdynamik wie in Abschn. 13.2.3 beschrieben. Eine Entkopp-
lung von der Fahrdynamik und der Umgebung verlangt zwar enormen technischen Auf-
wand, würde aber eine höhere Stimmigkeit der Sinneseindrücke ermöglichen, als wenn
jeweils nur ein Teil der Eindrücke entkoppelt würde. Sollten empfindliche Güter transpor-
tiert werden, würde eine entsprechende Entkopplung ebenso nützlich sein.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung