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Steuerung und Management in einem Verkehrssystem mit autonomen
Fahrzeugen314
15.1 Einleitung
Dieser Beitrag hat zum Ziel, die Auswirkungen des autonomen Fahrens auf der Ebene des
Verkehrsmanagements zu quantifizieren. Dazu wird eine Modellierung des autonomen
Fahrens entwickelt, die es ermöglicht, von Menschen geführte und autonome Fahrzeuge
mit nur geringen Modifikationen zu verwenden. Das ist wichtig, wenn es darum geht, wie
die Instrumente des Verkehrsmanagements weiterzuentwickeln sind, um autonome Fahr-
zeuge im Verkehrssystem berücksichtigen zu können. Interessant ist in diesem Zusammen-
hang vor allem der sogenannte gemischte Verkehr, bei dem normale und autonom fahrende
Fahrzeuge miteinander agieren. Das dürfte – auch nach der Markteinführung autonomer
Fahrzeuge – noch lange der Normalzustand auf den Straßen sein; von daher ist es von
großer praktischer Bedeutung, genau diesen Zustand gut zu verstehen, um eventuell auf-
tretende systemische Effekte im Voraus zu erkennen und diesen entgegenwirken zu können.
Da es bislang autonome Fahrzeuge noch nicht gibt, sind Teile der folgenden Betrach-
tungen und Szenarien sicher spekulativ. Allerdings ist auch die Modellierung des humanen
Fahrers noch bei Weitem nicht abgeschlossen, sodass in diesem Beitrag der Schwerpunkt
auf einer konsistenten Modellierung liegen wird. Zielrichtung der hier vorgestellten Mo-
dellierung ist es, von Menschen geführte und autonome Fahrzeuge möglichst mit dem
gleichen Modell zu beschreiben, bei dem sich nur die Parametrierungen unterscheiden. Ein
gutes Beispiel dafür ist der einzuhaltende Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug, ausge-
drückt durch die Zeitlücke: Ein autonomes Fahrzeug kann hier Werte von 0,3…0,5 s [1]
erreichen, von Menschen geführte Fahrzeuge dürfen nach dem Gesetz 0,9 s nicht unter-
schreiten (in Deutschland). Die entsprechende gesetzliche Empfehlung liegt sogar bei
2,0 s, ein Wert, der aber nur in Zeiten schwacher Verkehrsnachfrage eingehalten wird. Im
dichten Verkehr wird dieser Wert zum Teil deutlich unterschritten, als häufigster Wert auf
einer dicht befahrenen Autobahn werden 1,1 s erreicht (s. Abb. 15.3), bei einem Durch-
schnittswert von 1,4 s. Würden die Fahrer sich an die gesetzlichen Vorgaben halten, dann
würde der Verkehr auf vielen Straßen sehr viel früher zum Erliegen kommen als derzeit.
Dieser Beitrag ergänzt Kap. 16 und Kap. 19 in diesem Buch. Während Kap. 16 ganz
allgemein die verkehrliche Wirkung autonomer Fahrzeuge beschreibt, geht es in diesem
Beitrag neben der Modellierung dieser und von Menschen gefahrener Fahrzeuge um Ef-
fekte autonomer Fahrzeuge auf das Verkehrsmanagement. Kapitel 19 hingegen ignoriert
Fragen des Verkehrsablaufes und der Verkehrssteuerung weitgehend und betrachtet vor
allem eine optimale Allokation von Angebot zur Nachfrage unter der Voraussetzung, dass
Fahrzeuge geteilt werden können. Ganz richtig kann man an dieser Stelle festhalten, dass
eine Kombination dieser Ansätze, zusammen mit einer korrekten Beschreibung des Anteils
von Reisenden, die sich von einem robotischen Mobility-on-demand-System transportieren
lassen, die bestmögliche Abschätzung des Potenzials autonomer Fahrzeuge ermöglichen
würde.
Ebenfalls nicht betrachtet werden hier Effekte, die aus einer grundlegend anderen Or-
ganisation des Verkehrs resultieren. Beispielhaft sei hier nur das EU-Projekt CityMobil
genannt, in dem solche Szenarien diskutiert und näher untersucht wurden [2].
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung